Großstadt-Wildjäger erlegt rekordverdächtigen Zebrastreifen
Nimrod trifft von Bordsteinkante mitten ins Schwarze
Der weltberühmte Großstadt-Wildjäger Ernst August Hemmungslosway, auch als “Hitcher, der Highway-Blinker” bekannt und der vielen sicherlich noch aus seiner vierten Ehe mit der kokainsüchtigen Hildegard von High-Way ein Begriff oder zwei Haltegriffe ist, hat den wahrscheinlich größten Bock seines Lebens geschossen. Vollkommen unerwartet erlegte der passionierte Großstadt-Wildjäger in einer Nebenfahrbahn den bis dato größten Zebrastreifen, welcher bisher bekannt ist. Dass der immer auf der Überholspur kriechende Kunstschütze dabei sogar noch nebenbei zwei äußerst gefährliche ABC-Schützen, die auf Herrn Hemmungslosway vorbehaltlos aus dem
Hinterhalt mit einer großkalibrigen Fibel angelegt hatten, erlegte, was dazu führte, dass die beiden nach dem angelegentlichen Erlegen ihren Schussverletzungen bei lebendigem Leib bis zu ihrem Tod und vor Ernst August als tote XY-ungelöste Fälle lagen und die er dann anschließend eigenhändig unter die Erde der nahen Schule brachte, ist wohl einzigartig in der Geschichte des professionellen Breitreifensports. Herr Hemmungslosway, der sich nach eigener Aussage eigentlich an diesem schönen Tage ohne Frage nur auf Pannenstreifen-Pirsch befand und angelegentlich den Wildwechsel auf dem nahen Autobahnkreuz und vorher mit laufendem Motor und stehendem Getriebe in einer unbelebten Fußgängerzone beobachtete, kann sein Glück immer noch nicht fassen.
Ein zufällig vorbeikommender Streifenpolizist, der gerade auf der Jagd nach wildernden Streifenhörnchen war, welche sich gerne auf vielbefahrenen Zebrastreifen täuschend und tarnend überfahren lassen, um dann Unsummen an Schmerzensgeld einzuklagen, beglückwünschte den begnadeten Autofahrer zu seinem Erfolg: “So ein Kaliber hat die Kühler- und Kotflügelwelt noch nicht gesehen. Ein Prachtstück, was der Ernstl, also der Herr Hemmungslosway, da zur Strecke gebracht hat. Unglaublich, dass es solche Exemplare von Zebrastreifen noch in freier Wildbahn gibt. Wahnsinn, was bei uns auf den Straßen alles los ist. Gottseidank ist der keinem Fußgänger über den Weg gelaufen, das hätte katastrophale Folgen gehabt. Mein Gott, ist der schön. Das viele Weiß zwischen dem vielen Schwarz. Unglaublich! Mächtig prächtig.“
“Ich saß also im Auto. Sie wissen schon, so ein Pferd mit vier Rädern, was zwar nicht wie ein Pferd ausschaut, weil ein Pferd ja keine Räder hat, aber eben trotzdem so wie ein Pferd funktioniert, weil halt an alle vier Ecken so runde Räder stecken, welche fast so funktionieren wie vier Beiner, welche beim Pferd wachsen an jeder Ecke einer. Naja, eigentlich wartete ich nur darauf, dass die Fußgängerampel endlich auf rot schaltet. Weil, ich überfahr halt so gerne Fußgänger. Und die trifft man bekanntlich am besten mitten auf der Straße, wenn die grün haben. Meistens treff ich die mit dem ersten Gang mitten in den Oberschenkelhals, bis es dann Bruch macht und ordentlich bis zum Unterschenkel kracht. Gut, wenn sich die bewegen oder der Wind so steht, dass die mich im Auto sehen können, ist es schon verdammt schwierig, dass ich da immer mit dem ersten Gang mitten ins Schwarze treffe. Weil man will die ja auch nicht allzu lange leiden lassen. Manchmal muss ich auch nachladen und treff erst mit dem zweiten Gang. Ist zwar nicht schön, weil das kostet schließlich Benzin, bis die dann endlich sind hin. Aber mehr Gänge brauch ich eigentlich nie. Beim zweiten Gang muss Schluss sein mit dem Fussgänger. Ich hab sogar schon mal durch den Rückspiegel getroffen. Da hab ich mich mit meinem Pferd gegen den Fahrtwind rangepirscht und bin dann mit Vollgas im Rückwärtsgang in eine Gruppe nichtsahnener Fußgänger gerast. Da hab ich vier Stück auf einmal erlegt, also halt erledigt. Ist aber ziemlich schwer, weil du darfst absolut keinen Lärm beim Ranpirschen machen. Kein Knirschen, nichts dürfen die mitkriegen. Am besten steigst du schon vor der letzten Kurve aus und schiebst dein Pferd bis kurz vor die Kreuzung, damit die nichts mitkriegen. Weil, wenn die so im Rudel an der Ampel stehen, hast du sonst keine Chance auf einen schönen Fangschuss.“
Immer wieder schweift der Blick von Ernst August Hemmungslosway, der einigen wahrscheinlich noch aus seiner 18. Ehe mit der unter dramatischen Umständen abgeschmolzenen Mathilda Milky-Way, der fast unbekannten Schwester von John Way-Ne, bekannt ist, zur fein getäfelten Wand, wo der ausgestopfte Zebrastreifen vor sich hin hängt und sein liebevoller Blick am länglich Hingehängten länger hängenbleibt. Links davon blinkt eine wunderschöne Fußgängerampel, welche der Meisterschütze auf einer vielbefahrenen Kreuzung in einer einzigartigen Nacht- und Nebelbremsaktion ohne zu bremsen umgefahren hat, weil er sich beim nächtlichen Bremsweg gehörig verschätzte und eigentlich eine Hängeampel im Visier hatte. “Kann passieren, aber immerhin hab ich noch das Beste draus gemacht. Andere hätten in so einer Situation wahrscheinlich die Warnblinkanlage eingeschalten und wären völlig entnervt in die nächstbeste Tiefgarage gefahren. Aber ich hab damals geistesgegenwärtig das Lenkrad verrissen und es hat sich wirklich gelohnt. Ein absolut schönes Exemplar von Fußgängerampel hab ich da frontal erwischt. Bis zu den Scheibenwischern sind die Glassplitter geflogen. Schade, dass kein Fußgänger dabei war, aber um drei Uhr früh kann man nicht immer solches Glück haben.“
Noch einmal gleitet der Blick des erfolgreichen Schützen, der, wie vielleicht viele nicht wissen oder möglicherweise noch gar nicht wissen, auch schon mit Way-Ne Rooney, dem Enkel von John Way-Ne, verheiratet war, bevor er sich entschloss, das damals gegebene “Ja” zurückzunehmen und ab sofort nicht mehr mit Way-Ne verheiratet zu sein, weil er beschloss, nicht mehr den gemeinsamen Way mit Way-Ne zu gehen und deshalb aus dem “Ja” ein “Ne” zu machen, hinüber zu seinem schwarz-weiß gestreiften und blutbeschmierten Schmuckstück. Dann verabschiedet er sich eilig, denn schön langsam wird draußen vor der Tür sein Fahrschullehrer Wolfgang Amadeus Borchert mehr als nur ungeduldig, obwohl er sich insgeheim beim Anblick des weltberühmten Großstadt-Wildjägers Ernst August Hemmungslosway denkt: “Der schafft die Führerscheinprüfung wieder nicht. Schade um die vielen toten Fußgänger. Mir fehlen in meiner Sammlung noch welche und der Trottel darf umfahren, wer ihm vor den Kühler kommt. Und alles nur wegen diesem Blindgänger.” Dann winkt er freundlich und sagt zu dem Entgegenkommenden: “Na, Herr Hemmungslosway, dann wollen wir wieder mal unsere Bremsspuren durch die Straßen ziehen” und dreht das Radio auf infernalische Lautstärke. “No stop signs, speed limit. Nobody’s gonna slow me down. Like a wheel, gonna spin it. … Don’t stop me. I’m on the highway to hell, on the highway to hell.” Dann hängt er den Wunderbaum verkehrt auf, bekreuzigt sich und denkt an seine Mutter, welche erst am Vormittag unter die Räder der erstklassigen Herrn Hemmungslosway kam und aus ihm eine Halbwaise machte. “Schade um Mama“, denkt sich Herr Borchert und wischt sich verstohlen eine Träne aus dem wachsamen Auge, “wer wäscht in Zukunft wohl mein Auto.”

