Auf der Flucht: Spiderman aus Terrarium entkommen
Falltüre nach Fütterung nicht geschlossen
Der putzige, aber hochgradig zweibeinige Spiderman dürfte nach der letzten Fütterung durch eine nicht vorschriftsmäßig verriegelte Falltüre, welche auch zum Entfernen der Notdurft des Spinnenmannes dient, aus seinem Terrarium geflüchtet sein. Da sich die Beschwerden seiner Nachbarn, einer Gruppe Leopardgeckos und einer streunenden Katze, wegen zu lauter Musik
mehrten, hat der sympathische Mann mit der Halbglatze, von der jedoch nur seine engsten glotzenden Artgenossen wissen, deshalb wohl nach Meinung seines Zoowärters nun die Flucht ergriffen. Spiderman, der sich aufgrund seiner diagnostizierten Arachnophobie bereits seit einigen Monaten in Behandlung befindet, dürfte aber aus ganz anderen Gründen auf der Flucht sein.
Denn wie “Freie Zeit“, der Blog für lärmendes Schwarmverhalten und schwärmendes Darmentleeren, von Frau Thekla, welche alle zwei Monate zwecks Reinigung des Terrariums zu Herrn Sebastian Silberfisch-Fetzenschädel, so der bürgerliche Name von Spiderman, fuhr, erfuhr, führte der saubere Herr ein mehr als dreckiges Dasein. “Der war nicht einmal fähig, die Klospülung zu betätigen. Ein Haufen auf den anderen Haufen, es war zum Haare raufen. Jedes Mal musste ich mit dem Meister Proper, Sie wissen schon, dieser Drogensüchtige mit der Rastafrisur, den sie unlängst rausgeschmissen haben, die komplette Kanalisation von vorne bis hinten durchwühlen, damit ich zum Darmspülen kam. Wenn Sie mich fragen, war das ein einziger Fäkaltourist, dieser feine Herr Spiderman. Dass sich die Nachbarn da aufregen, ist kein Wunder. Überhaupt, weil die ja alle gemeinsam auf diese eine Toilette müssen.“
Die Zoodirektion geht allerdings jetzt davon aus, dass Spiderman für seine Flucht zumindest einen Fluchthelfer hatte. Erste Auswertungen der Überwachungskameras zeigen nämlich einen Mann, der durch die bereits erwähnte Falltüre in das Terrarium eindringt und Herrn Silberfisch-Fetzenschädel beim stündlichen Stuhlgang unterbricht und aufgrund der Unterbrechung den Anpressdruck im hinteren Bereich des Kostüms bedenklich sinken ließ. Ob es sich dabei um den ebenfalls gesuchten und flüchtigen Harrison Ford handelt, wurde jedoch bisher weder dementiert noch zementiert. Eindeutig fest steht jedoch, dass Spiderman aufgrund der überstürzten Abreise zum wiederholten Male die Klospülung nicht betätigt hat.
Doch angesichts der niedrigen Temperaturen dürfte es schwierig werden, dass die ZoobesucherInnen den putzigen bunten Mann mit der Halbglatze, von der nur die wenigsten wissen, noch einmal lebend zu Gesicht bekommen. Herrn Franz, der den Spinnenmann schon seit mehreren Jahren betreut und dreimal täglich füttert, einmal pro Woche immer schön heiß badet (einmal leider zu heiß) und auch bei Bedarf die Zehennägel schneidet, macht sich keine Illusionen, wie er gegenüber “Freie Zeit“, dem Blog für hoffnungslose Fälle und rituelle Waschungen, mit tränenerstickter Stimme erklärte: “Ich glaube nicht, dass ich meinen Sebastian noch einmal bürsten und ihm einen schrubben darf. Solche Temperaturen ist er ja nicht gewöhnlich gewöhnt. Der bekommt schon eine Mandelentzündung, wenn nur der Kühlschrank geöffnet wird. Deswegen hat er sich auch von seiner Freundin Regina Angina Pectoris, geborene Decubitus und verwitwete Betablocker, getrennt. Weil, die hat immer die Türe offenlassen, damit sie wusste, ob das Licht vom Kühlschrank nicht kaputt ist. Verdammt nochmal, warum konnten die sich nicht einfach einigen, wer wann auf die Schüssel darf.”
Ob nun wirklich das letzte Wort im Falle des flüchtigen Spiderman gesprochen wurde, wird sich zeigen. Doch bis dahin wird der Stuhlgang der Welt wie gewohnt seinen Lauf nehmen.

