Der Glöckner mit der Glock: Mitternacht für Esmeralda
Der Glöckner von Notre-Dame hat den Schießbefehl erhalten
Wie aus gewöhnlich gut hingerichteten Kreisen berichtet wurde, hat der bisher höchst pazifistische Glöckner unserer lieben Frau Esmeralda Erkenschwick-Fickedick und auch der altehrwürdigen Kathedrale gleichen Namens von Paris jetzt in einer Nacht- und wohl auch Nebelaktion den Schießbefehl erhalten, prompt ausgeführt, rechtzeitig und zur Zufriedenheit aller erledigt, dabei gleich Esmeralda des lebensfrohen Daseins entledigt und sich trotz des gelandeten Volltreffers unbefohlen aus der Verantwortung
gestohlen. Sozusagen das Ende der tragischen Geschichte von Esmeralda und Quasimodo, quasi modern und jetzt quasi modernd. Zumindest Esmeralda.
“Freie Zeit“, der Blog für vergnügliche Pariser, tonnenschwere Tonnengewölbe und kreuzfidele Kreuzgewölbe, muss Ihnen deshalb leider mitteilen, dass der mit Glock und Stock bewaffnete Glöckner in dieser nebligen Nacht in seiner ersten schussbefohlenen Aktion unsere liebe Frau Esmeralda Erkenschwick-Fickedick unter den Zwillingstürmen der gleichnamigen Kirche, also Notre Erkenschwick-Fickedick, eiskalt kalt gemacht hat. Warum der beglückt beglockte Glöckner mit den beiden Glock allerdings erst Punkt Glockenschlag mit einer seiner Glock eine geschlagene Stunde auf die bereits Punkt Glockenschlag durch den ersten Schuss aus der glücklicherweise geladenen Glock beglückt verschiedene Esmeralda bis zum nächsten Glockenschlag eingeschlagen hat, bleibt rätselhaft. Denn nach Meinung der vielen Schaulustigen hätte es durchaus zum Vergnügen aller genügt, die hübsche Dame mit einem einzigen theatralischen Glock-Schlag um Punkt Mitternacht ums nebulöse kathetralische Eckzu bringen und nicht mit Dauerfeuer durch das buckelige Ungeheuer die nächtlich laue Ruheentstörung mit ruhengestörtem betörendem Glock-Tock-Tock und stundenlang ratterndem Knatterton aus gezogenem Lauf zu stören.
“Er hatte den klaren Befehl, auf alles zu schießen, was nicht nietbefestigt nagelfest und nagelgetestet nietverfestigt herumgeistert. Das war natürlich ein kapitaler Kardinalsfehler, was der Quasimodo quasi da gemacht hat. Bei dem einseitig doppelschüssigen Feuergefecht sind im Feuereifer des Gefechts rechts über dem Hauptportal zwei Fenster zu Bruch gegangen. So etwas darf einem Profi einfach nicht passieren. Man stelle sich auf die Schnelle nur einmal vor, was da alles hätte geschehen können. Beim nächsten Mal trifft er womöglich den Kronleuchter.” Ausbildungsleiter Monsieur Michel Malaparte versucht, die erhitzt verschwitzten Gemüter der Umstehenden zu beruhigen, indem er allen eine halbautomatische und kichernd eine bereits entsicherte Glock mit vollautomatischer Zielerfassung schenkt. “Aber bitte äußerste Vorsicht. Das ist kein Spielzeug. Niemals auf Kirchenfenster schießen oder andere Kulturgüter unter Beschuss nehmen, sondern immer nur auf Menschen zielen.” Mit erhobenen Zeigefinger ermahnt er die erschlaffenden Gaffenden, welche endlich durch solch entzückend frohe Aussicht auf fremdes Verrecken durch Glock-betriebene Götterhand die tief im Innersten schlummernden Geister zum lebensfrohen Leben zu erwecken.
Plötzlich schlägt es zum zweiten Male Mitternacht. Die Glock tönt zwölfmal schelmisch verschmitzt mit rhythmischen Mordsdrum-Bumbum durch das mitternächtlich dunkle Funkeln und bringt zwölf auf Esmeralda gerichtete Augenpaare zum Verdunkeln. Und kaum verhallt der letzte Glock-Schlag, da liegen zwölf vom Geist enteilte ungeteilte Leichenteile vor Notre Erkenschwick-Fickedick. Schon wieder hat der Schießbefehl sich wie befohlen unter die Glock-verkrampften und aus dem Leben gedampften und des Lebens verlustigen Schaubelustigten gestohlen. Jetzt kommt es für den Glöckner knüppeldick. Quasi im Alleingang hat der Glock-bewehrte Quasimodo die Uhren um eine ganzen Tag vorgestellt.
Zurückblickend kann man sagen: Ein fast geschenkter Tag für Esmeralda.

