Der Furz und sein natürlicher Feind, das Raumspray
Paul Boegle: “Life is a joke!” Ein Kanalarbeiter auf dem Weg zum WC
“Freie Zeit“, der Blog für scheppernde Aufschlag-Idiophone und abgeschmetterte Abschlagszahlungen, hat wieder einmal etwas ganz besonders Schönes und Exklusives für seine treuen Leserinnen und freuenden Leser auf dem Weg zum morgendlichen Verdauungsspaziergang. Wer kennt nicht das Problem? Es ist frühmorgens, die Nacht schleicht auf leisen Sohlen ganz verstohlen durchs Schlafzimmer, die stinkenden Socken liegen dämmernd auf dem nahen Nachtkästchen, die schlummernde fleckige Unterhose zieht mit traumatischen Duftspuren am dösenden Näschen vorbei und plötzlich, ganz plötzlich klingelt der verreckte Wecker und ruft sein weckendes Verrecken in das frühmorgendliche auf leisen Sohlen schleichende Verstohlen, welches begleitet wird von lockenden Socken, welche winkend und stinkend im Paarlauf mit der fleckig-dreckigen Unterhose im schlummernden Dämmern und wummerndem Hämmern vom
nachtgekastelten Nachtkästchen mit tosenden Dosen am dösenden Näschen vorbei zum Verrecken in den nächtlichen Himmel stinken. Life is a joke.
Doch was tun, wenn solch Ungemach im Schlafgemach droht? Einfach umdrehen hieße dem Leben den blanken Hintern zeigen. Sozusagen ein frühmorgendliches “Leck mich am nackten Arsch, oh du schöne vor dich hin gammelnde stammelnde Welt. Wer hat Dein verdammtes Kommen bestellt?” Doch die meisten Menschen leiden eben an diesem Phänomen dieses “Nur noch fünf Minuten liegen bleiben.” Welch grausames Ritual jeden Morgen, wenn man sich aus dem vollgefurzten Bette schält, die Decke voller Daunen und geheimnisvollen Düften mit dem erwachenden Staunen vorsichtig lüftet, um noch ein letztes feines Näschen, ein abschiedsschmerzendes luftiges Duften voller halb verdauter Essensreste, welche in den letzten Stunden mit viel Getöse aus der dösenden komatösen Bewusstlosigkeit aus einsam vor sich hin dämmernden schwitzenden Ritzen in die finstere Freiheit wenige Zentimeter überhalb der kratzenden Matratze gekrochen sind und sich dieses betörende Odeur, welcher weiteres Malheur durch schlaftrunkenes Zusammenpressen der verfickt zwickenden Arschbacken verhindert hat, ins langsam erwachende Riechorgan strömen zu lassen. Life is a joke.
Doch nicht jeder von uns ist so willensstark und lässt sich durch solch liebliche Aromen aus der süßlichen Schwüle der zerwühlten Pfühle vertreiben, um am zaudernden Schaudern des nahenden Stuhlgangs, welcher mit verführerischem Winken zum allmorgendlichen Stinken auf die nahe Schüssel einlädt, teilzunehmen und jenen Teil der Gedärme, welche gestern noch Teil unserer vollen Teller waren, wieder per kräftigem Drücken und verklärtem Verzücken zu entleeren, um dann voller zart schmelzendem Stolz dem sinnlichen Rauschen zu lauschen, welches das Betätigen der Wasserspülung in die triefenden Tiefen der Kanalisation mit sich schwemmt. Aus den Augen, aus dem Sinn. Jetzt heißt es Daumen drücken. Life is a joke.
Und zurück bleiben nur letzte spürbare Spuren voller schmieriger Schlieren, welche mit behenden braunen Fingern ihren zärtlich zarten bräunlich braunen fingerbreiten Breitseiten auf das glänzende nasse Porzellan in agonischem entzückenden Zucken zuckenderweise lückenhaft drücken und an das erfolgreiche entzückende Drücken blass schimmernd voller blassem Erinnern erinnern. Langsam luftig wehend füllt sich die stehende Luft der kleinen jämmerlichen Kammer mit dem kämmerlich kargen Jammer des Abschiednehmens und mit vollgeschissenen duftenden Fingern fingern wir nach dem Duften der papierenen Rolle, welche uns die dreilagigen aufgewickelten Dienste dienstbeflissen angeschissen biederlich anbiedernd anbietet. Wohlig wissend wischen wir, was wissentlich zum Wischen bestimmt. Mit tränenden Augen, ohnmächtig mit den aufsteigenden Tränen kämpfend, den Anus lustvoll beim Auswischen verkrampfend, die letzten aromatischen Gerüche verdampfend, den liebgewordenen Freund bedauernd betrauernd, welcher nun einsam hinweg und fortgespült dort im Grauen des grauenden Tages mit unzähligen anderen Fäkalien um die Wette vor sich hintreibend, den schuppig braunen Rücken an fremden Fäkalbakterien reibend, stehen wir nun in gebückter devoter Haltung und halten devot entzückt, was vom leise kriechenden riechenden Bettgefährten uns bleibt. Lifeis a joke.
Ein allerletzter Furz drängt aus dem mächtigen Hintern. Drängt mit ohnmächtiger Macht dem vergänglich vergangenen drängenden Drang hinterher. Will putzmunter hinunter, dem ausgenutzten Verputzen hinterher, entfleuchen dem Keuchen des munter putzenden entzückenden munteren vormaligen Drückenden, immer der Duftspur nach, dem aufgeschwemmten schwammigen Weggefährten, diesem schal und schaler werdenden botschaftenden Träger unserer ganz persönlichen trächtig tragenden Botschaft voller nächtens prächtig mächtig vergangener Zweisamkeit nach, welcher dünn und dünner im schmutzigen Schutz des schützenden Schmutzes die Wegzehrung des bedächtig einnickenden Dickdarms verliert, um sich endlich in einem allerletzten verzweifelten Kampf mit angstgeweiteten Augen in den Weiten des erbarmungslosen Raumsprays zu verlieren. Life is a joke.
Das Frühstück ist fertig. Auf zu neuen Taten! The joke is alive.


[…] Buchbesprechung ist sicherlich das Letzte, was meine ansonsten mit Satire und mit “life is a joke” verwöhnten LeserInnen hier und heute auf meinem literarischen Kleinod erwarten. Doch gerade […]
Pingback von Freie Zeit, freie Meinung, freie Gedanken » Rudolf Lill: Die Macht der Päpste — 20.2.2012 @ 22:17