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29.11.2011

Die Mumie fährt gegen die Einbahnstrasse zurück

Abgelegt unter: Frei-Zeit — Paul Boegle @ 05:50


Actionfilm mit Horrorelementen und viel christlicher Nächstenliebe

Nachdem die Macher der Produktionsfirma Arsch Vivendi mit dem Überraschungserfolg “The After - Voll im Arsch” bereits satte Gewinne an den Kinokassen einfahren und nach der Vorstellung auch wieder hinaustragen, kommt nun endlich die lang ersehnte Fortsetzung von “Die Mumie kehrt zurück” in die heimischen Lichtspieltheater. Unter dem Titel “Die Mumie fährt zurück” erwartet uns wieder Altbekanntes und Altbewährtes. “Freie Zeit“, der Blog für eingewickelte Butterbrote und abgewickelte Offenbarungseide, war selbstverständlich bei der Die Mumie fährt zurück. Die Fortsetzung von “Die Mumie kehrt zurück” besticht nach Meinung unserer Filmexperten Paul Boegle durch Wortwitz, eine spannende Handlung und jede Menge anbetungswürdiger Menschen.Kinopremiere dabei und hat sich den Blockbuster zusammen mit einigen anderen Gläubigen angesehen und versank voller ungläubigem Staunen und vergehendem Hören und Sehen. Und vorab eines: Die Performance des Hauptdarstellers ist einfach nur anbetungswürdig und verdient uneingeschränkt das unglaubliche Prädikat “Weltkirche“. Hätte es vor 2000 Jahren schon Kino gegeben, wäre der Welt sicherlich vieles erspart geblieben und ich würde immer noch bereitwillig Kirchensteuer zahlen und mir die Hostie auf der Zunge zergehen lassen, um dann ordentlich mit einem Schlückchen Messwein nachzuspülen. Aber so bleibt mir eben nur die dicke Bertha und die noch dickere Bibel, um damit die dicke biblelfeste Bertha bei Lust und Laune zu halten, bis ihr vor lauter Staunen Hören und Sehen und mir das Lachen vergeht. 

Denn Papst Benedikt entwickelt nach seinem Erstling “In The Line Of Desire“, in dem er zusammen mit Clint Eastwood vor der Kamera und auch im Papamobil mehr stand als saß, auch in seiner Rolle des Dr. Allan Quadrantbein ein unglaubliches Gespür für akzentuierte Situationskomik, ohne jedoch gleich aus der päpstlichen Rolle zu fallen. Feiner Humor vom Allerfeinsten, gepaart mit allerfeinstem Humor vom Allerheiligsten und natürlich auch ein Schuss Erotik, in einer Stuntszene zeigt der Heilige Vater für einen kurzen Moment das Heilige Vater Wadenbein ohne Wenn und Aber und auch sonst ohne irgendwas, machen “Die Mumie fährt zurück” zu einem Erlebnis für alle Sinne bis hin zur erlebten Besinnungslosigkeit. Was aber den Film so ungläubig unglaublich glaubhaft wahrhaft sehenswert macht und die Zuschauer für 90 Minuten sämtliche gehandelten und angesammelten Sünden bis hin zum Ablasshandel vergessen machen lässt, ist die unglaubliche Maskenarbeit. Denn obwohl durch Hin-, Zurück-, Ab-, Aus-, Apertur- und Gesichtsfeldblenden ständig hin-, zurück-, ab-, aus- apertur- und gesichtsfeldgeblendet wird und dadurch oftmals das Aufblenden beim Abblenden nur durch entsprechende Lichthupen erkennbar wird, spielt Benedikt sämtliche Rollen mit Bravour.

Denn gerade dieses facettenreiche Spiel mit dem scheinheiligen Dasein und dem durchscheinenden Heiligenschein, welcher immer wieder in ein farbloses heiliges Scheinheiligendasein abtriftet, verlangt dem Hauptdarsteller alles und sogar noch viel mehr ab. Großartig, welch Leistung hier erbracht wurde und tagtäglich kolossal erbricht.

Etwas getrübt wird das Mumien-Erlebnis allerdings durch die unzähligen Nebendarsteller, welche nicht immer ganz sattelfest in ihrer Rolle daherkommen. Obwohl die Concelebranten sichtlich bemüht sind, dem päpstlichen Hauptcelebranten das Wasser und die heiligen Öle zu reichen, können sie ihm eigentlich in keiner einzigen Szene wirklich das Wasser und schon gar nicht die heiligen Öle reichen. Ebenfalls eine nur mäßige Vorstellung liefern die ganzen Diakone ab, welche zwar in ihren Dalmatiken recht hübsch anzuschauen sind, aber leider den Concelebranten nie und nimmer das Wasser und in keinster Weise die heiligen Öle reichen können, welche diese aber wiederum nie und nimmer dem Hauptdarsteller reichen können. Hier hätten sich die beiden Filmemacherinnen Maria Ave und die hochbetagte hochbegabte Johanna von Orlando vielleicht besser an Indiana Jones orientiert und noch einmal einen allerletzten Kreuzzug mit einem gemeinsamen vorletzten Abendessen oder möglicherweise einen vorletzten Kreuzwirbel mit allerletztem Bandscheibenvorfall mit richtig viel Kawumm übers Knie brechen sollen.

Allerdings darf man nicht vergessen, dass das Budget für die Kinoproduktion aufgrund widriger Umstände und umständlicher Widrigkeiten vor Beginn der Liturgie schon auf die Hälfte zusammengekürzt wurde und beim abschließenden Hochgebet inmitten der anwesenden Volksmenge musste dann auch noch der Aston Martin gegen einen schäbigen Volkswagen mit ausgetauschtem Austauschmotor ausgetauscht werden. Andererseits entschädigt die liebevolle Gestaltung der Beifahrertüre für einige schwache Längen und lange Schwächen. Wenn der Hauptdarsteller gegen die Einbahnstrasse fährt und die Kamera dabei auf das flammendrote “I love Papa” gerichtet ist, entfährt und entfleucht dem begeisterten Publikum ein “Sakrament, das ist gut!” nach dem anderen.

Weshalb der Film jedoch den Titel “Die Mumie fährt zurück” erhalten hat, bleibt bis zum Schluss merkwürdig und rätselhaft. Denn es kommt während der rund 90 Minuten nicht eine einzige Mumie vor.        

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