Seebestattung mit Stapellauf und bordeigenen Torpedos
Friedhofsstimmung auf dem Nullpunkt muss nicht sein!
Wer kennt das nicht? Man freut sich seit langer Zeit, manche Menschen sogar ein ganzes Menschenleben lang und das seit der eigenen Geburt, auf das eigene bescheidene Verscheiden. Und dann kommt endlich der große Sterbetag und man ist happy und glücklich, endlich und vielleicht zum ersten Mal im Leben im Mittelpunkt zu liegen. Doch was viele zukünftigen Leichen nicht wissen: Die lieben Angehörigen scheren sich einen Dreck um den eigenen verbliebenen Dreck. Hinein in den Sarg aus Pappmaché, recycelbarem
Verpackungskarton oder, wenn es ganz gut läuft und liegt, vielleicht sogar ein Sarg aus Laminat mit Nut und Feder. Für die sehr Glücklichen unter uns zusätzlich noch mit Trittschalldämmung und im allergünstigsten Fall einer Kellerwand-Flämmung, damit die eigene Beerdigung im Kreise der angehörigen Schwerhörigen nicht zur Belastungsprobe wird. Doch um sich solch eine 1,80 Meter tiefe Enttäuschung zu ersparen, gibt es eine Vielzahl an nützlichen Tipps, damit der letzte Tag zum schönsten Tag wird und Sie diesen in schöner Erinnerung behalten.
Doch damit die eigene Entsorgung nicht zur unschönen Entsargung wird, sollten Sie sich vielleicht schon vorher Gedanken über Ihr Abdanken machen. Wer möchte denn nicht das eigene Ableben zum Höhepunkt des eigenen Vollstreckungsurteils machen. Aber weil viele zeitlich abgeschossInnenen ZeitgenossInnen mit solcherlei DingInnen und KlingelingInnen völlig überfordert sind, hat sich wieder einmal “Freie Zeit“, der Blog für lehrreiche Exkursionen und kurze Überlandfahrten, diesem Thema angenommen und macht sich deshalb die allerschönsten Gedanken über Ihr dankenswertes Abdanken und übernimmt deshalb das Denken beim Versenken.
Wer übrigens beim großen Gewinnspiel “Traumhafter Langzeiturlaub in einem der schönsten Untererde-Paradiese” die ausgeschiedene ausgeschriebene Luxus-Tauchreise nicht gewonnen hat und deshalb nicht zu den glücklichen Eingegrabenen gehört, sollte sich trotzdem trösten. Denn ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, dass es eigentlich viel schönere Destinationen für die letzte Reise gibt.
Was halten Sie z.B. von einer tollen und exklusiven Seebestattung? Ja, Sie haben richtig gelesen! Eine wundervolle Beerdigung, wo Ihnen das Wasser so richtig bis zum Hals und bei Flut sogar noch darüber steht. Salziges Meereswasser, welches fröhlich plätschernd aus den toten Glubschaugen gluckert und Sonne, Sand und Meer, soweit die Augenhöhle reicht. Eine Brise frische und gesunde Meeresluft, welche Ihnen um den braungebrannten Nasenknorpel weht. Der leichte Wind, der Ihnen sanfte Abkühlung der Schädelknochen bringt (Toupet gut befestigen nicht vergessen!). Wer es besonders unvergesslich mag, bekommt natürlich auch den eigenen Stapellauf und mit einer Magnumflasche selbst gebrautem Weihwasser wird der wasserdichte Sarg sogar getauft. Denken Sie jedoch daran, dass so ein Stapellauf immer eine kritische Situation ist und halten Sie sich dementsprechend gut fest. Bleiben Sie am besten ruhig liegen und vermeiden Sie unnötige Bewegungen (Modell “Crying Dutchman” mit Airbag gegen Aufpreis). Machen Sie vorher vielleicht noch ein ziemlich großes Kapitänspatent, mit dem Sie über sämtliche Ozeane schippern oder rudern können. Ansonsten dürfen Sie nämlich nur auf dem viel befahrenen Rhein-Main-Donau Kanal fahren.
Und mit zwei bordeigenen Torpedos bewaffnet (Sargmodell “Lying Matschman” gegen Aufpreis) haben Sie die Möglichkeit, auf alles zu schießen, was Ihnen so vor den Sarg kommt. Schalten Sie das Sonar ein, schielen Sie durch den Sextanten (Sargmodell “Drying Glubschman” gegen Aufpreis) und rücken Sie die im Preis inbegriffene Matrosenmütze (Sargmodell “I am sailing” mit Rod Stewart Autogrammkarte gegen Aufpreis) zurecht und messen Sie sich gegen Atom-U-Boote aller Klassen. Machen Sie Jagd auf “Toter Oktober” oder bringen Sie mit einem gezielten Schuss die nagelneue “Rainbow Warrior” von Greenpeace zur Strecke. Kein Mensch wird auf Sie kommen und alle Welt wird glauben, dass die französische Kriegsmarine wieder zugeschlagen hat. Der Sarg hält jedem Wasserdruck bis zu einer Tauchtiefe von sage und schreibe 7,35 Meter stand und lässt sich durch das eingebaute Periskop spielend leicht beim Massakrieren mavörieren. Selbst schwerer Seegang und Sturmböen bis zu 14 km/h machen Ihrem schwimmenden Gebeine-Container nichts aus.
Sollten Sie allerdings zu Seekrankheit neigen, empfiehlt es sich, eine ausreichende Menge Zäpfchen im Sarg zu bunkern. Und versuchen Sie möglichst, am Tag Ihrer Abreise ausgeschlafen an Bord zu erscheinen und nicht mit allzu vollem Magen. Für besonders sensible Tote: Liegen Sie nicht am Heck oder Bug des Sarges, sondern möglichst mittsargs, um die Schaukelbewegungen besser zu ertragen. Und sollten Sie sich dennoch dafür entscheiden, ein kleines Zäpfchen in die restlichen Weichteile einzuführen, denken Sie bitte daran, dass es zu unvorhergesehenen Müdigkeitserscheinungen kommen kann. Machen Sie also bei Bedarf ruhig einmal beide Augen zu und träumen Sie davon, neue Kontinente beim Verrecken zu entdecken.
Eines noch zum Abschluss. Sollten Sie wie der dilettantische Seebär oben auch auf Grund laufen, bleiben Sie ganz cool und möglichst kalt. Mit der beiliegenden Leuchtsignalpistole (Sargmodell “No Wumme, No Cry” gegen Aufpreis) können Sie sich bei Bedarf selbst versenken.

