Beispielloser Polizeiskandal: Bernd das Brot ist tot
Das beliebt depressive Kastenbrot ist spur- und krümellos verschwunden
Dieser zutiefst berührende Bericht ist eine Hode an die Menschlichkeit. Dazu aber am Schluss dieses erschütternden Artikels mehr. Bitte lesen Sie deshalb auch nur weiter, wenn Sie den Tatsachen ins entzündete Auge sehen können. Denn nachher wird diese Welt nie wieder so sein, wie jetzt, wo Sie den Tatsachen noch nicht ins entzündete Auge gesehen haben und deshalb noch nicht wissen können, dass die Welt nachher nie wieder so sein wird wie jetzt, wo Sie diesen zutiefst erschütternden Bericht noch nicht gelesen haben. Sollten Sie allerdings nach Lesen dieser völlig erschütternden Zeilen vorhaben, nicht weiterzulesen, dann sollte Ihnen bewusst sein, dass die Welt trotzdem nicht mehr so sein wird wie wenn Sie mit entzündetem Auge weitergelesen hätten.
“Freie Zeit“, der Blog für Hawaii-Toast und herrenlose Ananasscheiben, kam durch Zufall einem riesengroßen Skandal auf die Schliche. Denn während einer Großdemonstration zugunsten kastenloser Kastenbrote, die ungekrönten Parias unter den Backwaren, welche seit Einführung elektrischer Toaster auf der untersten Stufe der menschlichen Ernährung vor sich hin backen, wurde neben 1422 dünn geschnittenen Toastbroten auch die Ikone der Toastbewegung, nämlich Bernd das Brot, verhaftet. Doch viel schlimmer noch: Bernd das Brot wurde im Zuge dieser Röstaktion von mehreren uniformierten und wahrscheinlich ziemlich hungrigen Beamten der Exekutive misshandelt.
Augenzeugen berichten, dass das allseits beliebte und immer freundliche Kastenbrot, welches seit einiger Zeit unter leichten röstfrischen Depressionen litt und unter psychedelischer Behandlung lag, von den Polizeikräften regelrecht belegt wurde. “Das war wirklich brotlose Kunst vom Allerfeinsten. Die haben sich den Bernd aus der Menge gekrümelt und dann haben sie sich mit ihm verkrümelt. Aber vorher haben sie ihn vor den Augen aller mit Margarine bestrichen, Käsescheiben drauf getan, dann luftdicht verpackten Schinken, ein delikates frisch gewaschenes Salatblatt aus Holland, aus Holland, stellen Sie sich das vor. Und dann sie ihn mit vereinten Säften noch mit mehreren Tomatenscheiben belegt. Erst wollten die auch noch eine Essiggurke drauftun, aber das haben sie sich dann doch nicht getraut. Das Ärgste war aber dann, dass sie den Bernd auch noch mit Mayonnaise aus der Tube beschmiert haben und eine extra scharfe Pfefferoni auf sein Gesicht gelegt haben. Die Mayo hatte einen Mindestfettgehalt von 80 Prozent. Oh Gottogottogott, ich darf gar nicht daran denken, wie die den Bernd belegt haben. Es war furchtbar, wie sie unseren Bernd zugerichtet haben. Einer von den Uniformierten wollte dann sogar noch abbeissen, aber die anderen haben gesagt, dass das in der Öffentlichkeit nicht geht. Ja, und dann haben sie Bernd das Brot auf die Schultern genommen und sind mit ihm weggegangen. Wohin, weiß kein Brot. Ich fürchte, dass Bernd das Brot schon längst tot ist. Weil, einer von denen, der was schon sein rechtes Ohr abgelutscht hatte, hat immer gesagt, dass er ihn nachher vernaschen will. Und dass er ihn sich selber zum Fraß einwerfen will.”
Als die hagere Salzstange, sie hat sich aus Gründen des Vermampfungsverbots nur notdürftig mit einer Frischhaltefolie vermummt, atemlos über die schrecklichen Ereignisse rund um Bernd das Brot, welcher jetzt vielleicht schon tot ist oder sogar bei lebendigem Brotlaib gegen die Verdauungssäfte kämpft, kommt es plötzlich zu erneuten Ausschreitungen. Ein Dutzend aufgetaute Sesambrötchen fangen an, auf die Polizisten loszusemmeln. Mit ihrer raffinierten Salamitaktik der reschen Hörnchen gelingt es ihnen, sich zwischen die dichten Verkaufstheken zu schleichen, wo sie sich dann in zwei gleich große Brothälften teilen und die uniformierten Einsatzkräfte mit frisch geriebenen Semmelbröseln attackieren. Als die Beamten dann beginnen, den angesteckten Toastern die Brotkörbe abzunehmen, kiloweise Haferflocken in die Menge schütten und mit Berliner Knüppelbrot auch noch die letzten Körner aus dem Roggenbrot dreschen, eskaliert die Lage. Panikartig flüchten die Sesambrötchen und überrennen dabei einige hundert Kürbis- und Sonnenblumenkerne, welche friedlich auf einem knackigen Baguette lagen und auf die bestellten Hostess-Pizzabrötchen warteten. Überall hört man das fürchterliche Knacken von hilflosem Knäckebrot, welches unter der riesigen Teigmasse zu kleinen Krümeln zerstoßen wird. Doch als dann auch noch die Einheiten beginnen, mit trockenen Fladenbrot-Werfern die Menge knusprig zu backen, ziehen sich die DemonstrantInnen endgültig zurück. Es bietet sich ein Bild des Grauens. Überall liegen abgerissene Brotrinden herum und zahlreiche Sandwichbrote haben ihre Flocken verloren.
Doch Bernd das Brot ist und bleibt verschwunden. Es steht deshalb zu befürchten, dass er das Opfer einer hemmungslosen Fressattacke wurde. Doch der für den Einsatz zuständige Sauerteig hat eine lücken- und krümellose Aufklärung angekündigt. Doch ob dies Bernd das Brot noch einmal röstfrisch macht, ist zu bezweifeln. Wollen wir also aus diesem Grund alle einstimmen in das Lied von “Mein Freund Bernd das Brot ist tot“.
Du wirst nie wieder in den Toaster schauen
Ich wollt’ dich längst schon wiederkauen,
mein röstfrischer Laib aus Kindertagen,
ich hatte manches an dir zu nagen
und fraß bis zum Erbrechen weiter.
Als fettes Brot kam ich schon zu dir
mit all den Magensäften;
ich lutschte an dir nach Leibeskräften,
und aller Hunger flog davon.
Hat mein Dickdarm oft geweint,
strichst du mit deinem grünen Schimmel
mir über meinen steifen Pimmel.
Mein Freund Bernd das Brot ist tot,
er fiel mit Korn und Schrot.


