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25.10.2011

Vegetarier veranstalten Schnitzeljagd auf Papierschnitzel

Abgelegt unter: Zeit-los — Paul Boegle @ 07:22


Unvorstellbare Entgleisung von TierschützerInnen

Zu einem geradezu bestialischen Massenmord an unschuldigen Papierschnitzeln kam es während einer öffentlichen Demonstration von Büroutensilien-Herstellern für humaneres Schreddern durch ausgebildete Reißwölfe. Was eigentlich friedlich begann und als Protest gegen die unkontrollierte Vernichtung von Akten mittels nicht salonfähigen Büro-Schredder gedacht war, entbrannte nach wenigen Minuten zu einem handfesten Kampf der aufgebrachten Anbieter von humanen Aktenvernichtern und einer radikalen Gruppe von VegetarierInnen, welche in einem benachbarten Büro kurz vor der Mittagspause ihre alltägliche Schnitzeljagd auf die notwendige Ration Vegetarier veranstalten Schnitzeljagd auf Papierschnitzel. Paul Boegle spricht von einer unvorstellbaren Entgleisung der radikalen Tierschützer. Selbst ein Wiener Schnitzel wurde gesteinigt. Das arme Würstchen hatte nicht den Hauch einer Chance.Papierschnitzel veranstalteten.

Zu den Todesopfern zählt auch ein völlig unbeteiligtes Wiener Schnitzel. Das arme Würstchen, welches gerade aus dem Solarium kam und sich nichtsahnend und knusprig braungebrannt auf den Mittagstisch der Kantine legen wollte, um sich dort an den Meistbietenden zu verkaufen, wurde von den radikalen Vegetariern förmlich gesteinigt, geschreibmaschint, gekopfsalatet, geradieschent, geaktenordnet und dann zu allem Überfluss auch noch sechsmal gelocht und mit einer Handgranate aus Usbekistan, weiß der Teufel, wie die ins Büro kam, in 94 mundgerechte Happen gesprengt. Obwohl die arme Sau hinter einem Berg Aktenordner Zuflucht suchte und seine Stielaugen überall hatte (die letzten Worte der gesprengten Sau wurden mit: “Was glotz ich eigentlich so?” überliefert), hatte sie nicht den Hauch einer Chance. Hobbytaucher und Aktmodell Paul Boegle, ein sehr odnungsliebender Aktenordner, zeigt sich naturgemäß wenig begeistert von der Sauerei.

Minenarbeiter Franz Ferdinand Farbig Kastell und seine Langzeitfreundin aus Kastel, Ruth Spatzen, eine freundliche ältere Dame, deren gesamte Verwandtschaft schon bei den Kastelruther Spatzen Unmengen an leeren Notenblättern vor den allzu neugierigen Augen und Blockflöten von AC und seinem Halbbruder DC oder den Fröhlichen Fidelnden Fidelen auf Nimmerwiedersehen verschwinden ließ, zeigt sich gegenüber “Freie Zeit“, dem Blog für Hähnchen in Streifen und Forelle in Zeitungspapier, vollkommen entsetzt: “So etwas habe ich noch nicht gesehen! Es war einfach unglaublich, was diese sogenannten Tierschützer angestellt haben. Das war keine Schnitzeljagd, sondern ein Massensterben. Denen hingen überall die Papierfetzen herunter. Erst hab ich ja geglaubt, die feiern Fasching und hab Helau und Allaf und Leilei und Ahoi und Leinen los und setzt die Segel geschrien. Aber dann hab ich gemerkt, dass wir ja Ende Oktober haben oder Anfang April oder Mitte Juli oder sowas eben. Ich wusste ja, dass die gerne Papierschnitzel zu Mittag naschen, sowas spricht sich natürlich rum, aber die haben sogar die Deckel von den Aktenordnern regelrecht in Stücke gerissen und dann mit Wollust in sich reingefuttert. Einem von diesen Bestien hing noch das halbe Tagebuch von der Tochter vom Chef aus dem Hals raus, weil er so an den Einträgen gewürgt hat. Und ein anderer hat sich im Papierkorb übergeben und dabei gestammelt, dass das ja eigentlich sowieso Recycling sei und er den Rest am Nachmittag bei einem Tässchen Kaffee zu sich nehmen werde. Aber das Ärgste war eine junge Dame. Die hat sich ein ganzen Päckchen Post-it auf ihren Körper geklebt und ist dann zu dem, der noch mit dem Tagebuch beschäftigt war, weil der andere immer noch am Kotzen war, gegangen und hat ganz lüstern gefragt, ob der sie jetzt nicht vernaschen will. Grausam, kann ich Ihnen sagen. Einfach nur schrecklich. Wer so etwas einmal gesehen hat, wird nie wieder ein Buch in die Hand nehmen wollen. Abgesehen davon, wer liest denn heutzutage noch.

Als die Müllabfuhr endlich eintrifft, haben sich die radikalen Aktenvernichter mit mehreren tausend Luftschlangen und einigen hoch gefährlichen Papiertigern im Bürogebäude verschanzt. Ihre Forderung nach freiem Entsorgen und mindestens drei zellulosefreien Mahlzeiten pro Tag unterstreichen sie skrupellos, indem sie zwanzigtausend Büroklammern, welche sie zuvor als Geiseln genommen hatten, aus dem siebten Stock werfen. Sogar ein unschuldiger Tischkalender aus dem Jahre 1977, welcher im Büro des Vizedirektors auf seine Frühpensionierung stand, übrigens mit wunderschönen Motiven von bereits ausgestorbenen Wald- und Wiesenblumen, muss dran glauben. Der Rädelsführer erdolcht den Kalender, ohne mit der Wimper zu zucken, mit einem Brieföffner. Selbst das Zugeständnis eines Müllmannes, 20 Kilo hochglänzendes Multifunktionspapier aus Restbeständen der Stasi im Austausch gegen 70 000 Hängeregistraturen in das leere Papierfach des Laserdruckers zu legen, wird nur mit höhnischem Gelächter beantwortet.

Entweder wir bekommen pro Tag drei ordentliche holzfreie Mahlzeiten oder wir fressen die restlichen C6 Briefumschläge. Die mit der Selbstklebung und dem Sichtfenster. 80 Gramm Lebendgewicht pro Quadratmeter. Massenkleben pur. Sie haben es in der Hand. In 30 Minuten läuft das Ultimatum ab und dann fangen wir an, die Adressen drauzukleben. Und 20 Minuten später werden wir die ersten Briefumschläge abschlecken und zukleben. Wir haben Briefmarken, die reichen für eine ganze Brieflos-Show. Sogar mit Werbeunterbrechung. Überlegen Sie es sich gut.Der Sprecher der “Toten Adressen Frankierunglässt nicht den mindesten Zweifel daran, dass die autonome Gruppe der linksgebündelten Aktenvernichter ihre Drohungen wahr machen werden und mit den Spezial-Adressstempeln wild um sich stempeln werden, um möglichst viele Briefe sinnlos zu frankieren.

Auf die Frage von “Freie Zeit“, dem Blog für Schreibtisch-Attentäter und ruhelose Stempelkissen, erklärt der Verhandlungsführer der Korrekturmittel-Truppe: “Es ist nicht die Zeit zum Laminieren und Kopieren. Ab jetzt müssen wir diktieren und vor allem beinhart Falzen und Lochen, bis uns die Finger wehtun. Wir haben bereits unsere besten Thermoetiketten in Stellung gebracht und auf den Dächern liegt ein Dutzend bestens ausgebildeter Sekretärinnen mit Präzisions-Schreibblöcken. Wir werden in den nächsten Minuten mit unseren anfeuchtersicheren Flipcharts vorwärts rücken und dabei versuchen, nicht in die Schusslinie ihrer Tintenpatronen und Tischrechner zu kommen. Dann werden wir versuchen, sie mit unseren gefälschten Geschäftsbüchern in die Zange zu nehmen und durch unsere maschinellen und selbstdurchschreibenden Mahnbescheide außer Gefecht zu setzen. Wenn alles so funktioniert, wie ich mir das vorstelle, werden vielleicht maximal 200 Buchstützen während des Einsatzes umfallen. So, aber jetzt heißt es Zettelspießer spitzen und rein in die Papierschlacht.“ 

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