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26.9.2011

Michelin Mann baut Einfamilien-Gummizelle

Abgelegt unter: Zeit-GenossInnen — Paul Boegle @ 15:09


Nachwuchs kommt: Er hat seine Gummipuppe zum zweiten Mal aufgeblasen

Nachdem seine Frau, eine bildhübsche Gummipuppe mit riesengroßen Schläuchen und einem glatt rasierten Ventil, am 15.06. erst eine gesunde Quietscheente entbunden hat, freut sich die seither im Vakuum lebende Familie jetzt schon wieder auf Nachwuchs. Denn der Michelin Mann hat sein eigenes Ventil zum zweiten Mal laut pfeifend in Michelin Mann baut Einfamilien-Gummizelle. Doch ein pfeifendes Loch in seiner Gummipuppe macht den Michelin Mann jetzt zum Witwer. Seine Quietscheente fragt ganz traurig: “Papa, brauchen wir schon wieder ein neue Mama?”Stellung gebracht und seine Luft bis zum Anschlag in die angetraute Blasetante mit den zwei wunderschönen Saugnäpfen geblasen. Und seit letzter Woche ist es gewiss: Familie Michelin bekommt luftdichten Nachwuchs.

Und aus diesem Grund hat sich der Michelin Mann entschlossen, die Zweizimmer Miet-Gummizelle aufzugeben und eine eigene Einfamilien-Gummizelle zu bauen. “Es ist jetzt dringend notwendig, dass vier unsere eigenen vier Gummiwände bekommen. Wenn ich daran denke, dass Klein Rubberduck immer noch kein eigenes Zimmer hat, sondern nachts in der Badewanne schwimmen muss oder mit seinen Freunden im Schlauchboot spielen muss, schäme ich mich fast dafür. Und dann diese vielen Ventile von meiner Frau. Jedes Mal, wenn wir vor einem Fahradgeschäft stehen, geht sie rein und schaut sich die neuesten Ventile und dazu passenden Schläuche an. Und natürlich kauft sie immer wieder welche, obwohl sie sowieso nur eines tragen kann. Gut, die beiden neuen Schläuche von dem Mountainbike stehen ihr verdammt gut. Hängen zwar bis zu den Knien, aber mit dem dazu passenden französischen Ventil schaut sie einfach geil aus. Wenn ich sie so beim Aufblasen vor dem Spiegel beobachte, wenn sie so richtig in die Schläuche bläst, gibt meine Luftpumpe ordentliche Geräusche von sich. Da könnte ich jedes Mal in die Luft gehen.

Freie Zeit“, der Blog für steckende Pumpenköpfe und junge Rändelmuttern, darf den Rohbau der kleinen Familie besichtigen. Stolz präsentiert uns der aufgeblasene Hausherr das Schlafzimmer mit den bereits fertigen Latex-Wänden und dem großen Autoreifen über dem Bett, welcher wohl für besondere Stunden zu zweit gedacht ist, wie uns der sanfte Riese mit den luftgefüllten Glubschaugen augenzwinkernd zu verstehen gibt. Dann führt er uns durch die beiden Gummiboote, welche für den Nachwuchs gedacht sind und sogar einen eigenen Außenbordmotor haben. “Natürlich darf Rubberduck den nicht alleine betätigen. Er hat sich schon einmal seinen Gumminippel bei sowas verbogen. Wir mussten danach sein komplettes Ablaufrohrsystem erneuern. Sogar der Syphon und seine Doppelschiebemuffe waren völlig im Eimer. Gott sei Dank haben die ganzen Sachen vom Gästeklo gepasst, sonst wär ihm wohl komplett die Luft ausgegangen. Der Kleine leidet zwar immer noch unter Verstopfung, aber die Ärzte und der Installateur sagen, dass er mit dem Geruchsverschluss wohl keine Probleme haben wird. Naja, ansonsten muss ich eben seine Schwimmerkugel wechseln. Mein Sohn soll das jetzt nicht hören, aber irgendwie ist sein Rückschlagventil sowieso nach meinem Geschmack etwas zu klein geraten. Wenn ich da an meinen Gummihammer denke, ist das kein Vergleich.

Als wir in die Küche kommen, empfängt uns die Gummipuppe des Hauses in einem atemberaubenden Nichts aus Quetschventil und hauchdünnen Butylschläuchen, welche den Blick unweigerlich auf die filigrane Felgenbohrung lenken und unsere Schlauchpumpen bis zum Anschlag schwellen lassen. Als sie uns fragt, ob wir etwas zu trinken wollen, ist plötzlich ein leises Zischen und Pfeifen zu hören. Ihr Blick gleitet überrascht nach unten, während sie mit der einen Hand das undichte Loch zuhält. “Schatz, bringst du mir bitte die Luftpumpe. Ich glaub, ich habe wieder meine Tage.

Eilig verabschieden wir uns und lassen die beiden in der Küche zurück. Als ich die Haustüre öffne, ertönt hinter mir ein ohrenbetäubender Knall. Von oben hören wir die angsterfüllte Stimme des kleinen Quietscheentchens: “Papa, brauchen wir schon wieder eine neue Mama?“ 

3 Kommentare »

  1. Hab Eure Artikel mit Genuss gelesen. Wirklich gut geschrieben und hat mich zu lachen gebracht!

    Kommentar von leckmich — 28.9.2011 @ 07:52

  2. Was heißt hier “Eure Artikel”? Für diesen ganzen Blödsinn ist das kranke Hirn eines einzigen alten und verbitterten Mannes verantwortlich. Ein vom Leben Gezeichneter, ein Mensch ohne Perspektiven, ein Wesen jenseits der Hoffnung, ein Individuum völlig ohne gesellschaftliche und soziale Bindungen. Oder kurz gesagt: Verheiratet, zwei Kinder und voll im Arbeitsleben. Das bin ich. Grauenvoll, furchtbar, deprimierend, erschreckend, hoffnungslos, so ein menschliches Leben. Aber trotzdem vielen Dank für die virtuell-verbalen Blumen und ein perspektivloser Gruß aus Wien.
    Paul

    Kommentar von Paul Boegle — 28.9.2011 @ 09:21

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