Mann hat nach Gehirnwäsche Schleudertrauma
Tragisches menschliches Schicksal des lesenden Fernsehzuschauers Paul Boegle
Was bereits in mehreren erstklassigen Naherholungszonen für angewandten Stillstand, ebensowenig in ein paar zweitklassigen Mittelstreckenraketen für geistigen Tiefflug und auch in einigen letztklassigen sogenannten Tageszeitungen stand, wurde nun auf Nachfrage von “Freie Zeit“, dem Blog für Einzeller und Mehrzeiler, Gewissheit.
Wie uns die vollkommen konsternierte und von den Folgen des Schocks gezeichnete Ehefrau von Paul Boegle, welchem die Gehirnwindungen im letalen Oberstübchen blütenweiß reingewaschen und abgekocht wurden, in einem ersten Telefongespräch mitteilte, wurde ihr über alles geliebter Gatte ohne synaptisches Spaltmaterial Opfer einer gut durchdachten Gehirnwäsche auf allerhöchstem Niveau, welche nach Meinung verschiedener Mediziner durch das anschließende Schleudertrauma wohl für einen lebenslangen geistigen und zugleich motorischen Endplatten-Durchhänger verantwortlich sein dürfte. Selbst eine sofort eingeleitete öffentlich-rechtliche Defibrillation konnte Herrn Boegle nicht mehr aus seinem Privatsender-Wachkoma zurück in die Realität holen.
Frau Boegle: “Wir haben nach Rücksprache mit unserer Hausärztin wirklich die besten Ärzte und Spezialisten konsultiert. Als erstes bin ich natürlich zu dem sehr kompetenten Dr. Stefan Frank gefahren. Weil dem kann ich als Frau einfach vertrauen. Aber ich glaube, das lass’ ich ab jetzt lieber, so nebenbei gesagt. Dann habe ich meinen Mann zu diesem äußerst sympathischen Bergdoktor geschleppt. Und danach zum benachbarten Landarzt unten im Dorf. Der hat uns aber sofort in die Schwarzwaldklinik überwiesen. Aber weil die gerade renovieren und erst noch die Berge von Leichen im Keller waschen müssen, sind wir direkt zu diesem wirklich entzückenden Dr. Bruckner. Aber der war gerade mit dem hervorragenden Alphateam im OP, also habe ich meinen Gehirngewaschenen und Traumageschleuderten gepackt und bin …
Es ist für einen kurzen Moment still in der Leitung und die liebevolle Gattin holt hörbar Luft, bevor sie uns weiter vom unvorstellbaren Telenovela-Elend ihres geliebten Synapsen-Zombies und Rezeptor-Regungslosen erzählt. “Ja, also wo war ich? Richtig, also weil die alle im OP waren, sind wir dann zuerst in die Praxis Bülowbogen und von dort zu dieser Frau, wie heißt die doch schnell wieder? Auf alle Fälle nicht Prinzessin Stefanie, ich glaube nur Stefanie hieß die. War aber keine Ärztin, sondern nur eine ordinäre Krankenschwester. Aber ich sag Ihnen jetzt was. Diese deutschen Ärzte, die sind alles nur Kurpfuscher und Dilettanten. Also hab ich zwei Flugtickets gekauft, weil fliegen darf er ja, trotz seines Schleudertraumas und dann sind wir ab nach Amerika. Wollte ich sowieso schon immer mal hin, aber mit dem Alten war das kein Spaß. Und …“
Wieder ist es still in der Leitung. Nur das deutliche Luftholen unterbricht für einen kurzen Augenblick die furchtbare Leidensgeschichte des Geschüttelten und Gerührten. “Ja, und dann natürlich zu diesem wunderbaren Dr. House. ein bezaubernder Mann, aber ich glaube ja, dass der sich irgendwas den ganzen Tag reinwirft, so wie der drauf ist. Deswegen habe ich meinen Weichgekochten genommen und habe mir erst einen Termin bei Dr. Westphall und danach in dieser anerkannten Klinik Emergency Room ausgemacht. Aber das sind die gleichen Anfänger wie diese Scrubs-Ärzte und diese komische Meredith Grey in ihrem seltsamen Grey’s Anatomy. Meine letzte Hoffung war dann Chicago, aber dort haben sie uns hochkant rausgeschmissen, weil sie grade irgendeine Arztserie gedreht hatten und für Kassenpatienten keine Zeit hatte. Nun ja, das wars dann mit Amerika. So, jetzt muss ich aber Schlus machen. Weil die holen gleich meinen kleinen Gehirnamputierten ab und bringen ihn zu so einer ganz neuen Castingshow mit lauter anderen Einzellern. Und dort darf er sogar mitentscheiden, wer die schönste Gehirnwäsche bekommen hat. Ich denke, dass das wirklich was Schönes für meinen lieben Hirnrinde-Befreiten ist. Weil da spielt er mit seinesgleichen und bekommt sogar eine Schweinegeld für den Dreck, den er dort verzapfen muss. Und natürlich steht mein telegener Doofi auch in ziemlich vielen Zeitungen. Was ich aber für einen absoluten Schwachsinn halte. Weil, wer liest denn heutzutage noch.”

