Freie Zeit, freie Meinung, freie Gedanken

15.8.2011

Schreibblockade bei der Blogparade

Abgelegt unter: Lese-Zeit — Paul Boegle @ 15:47


Ein stechender, brennender Schmerz riss ihn plötzlich aus dem Vakuum seiner schlummernden Phantasmagorien und entwich zusammen mit der Abrissbirne seiner Großhirnrindeverkümmerung und spurenelementaren Nichtseßhaftigkeit in unkontrollierbarer Fahrt in die ihn träge umfließende Stillstandsgegenwart. Reflexartig ließ er die bis auf den Filter abgebrannte Zigarette fallen und schüttelte die schmerzenden Finger hektisch in der brachialen Stickigkeit und würgenden Abgestandenheit des kleinen Zimmers.
Während er sich mit den offenen Handflächen abwechselnd über die geröteten Augen, welche mit dem giftig-glänzenden Saft brennender Trockentränen gefüllt waren, fuhr, beobachtete er den bräunlichen Filter, welcher seinen bläulich dampfenden dunstbleichen Transparenzkräuselteppich in die Luft hustete, die letzten Reste Nikotin aus seinen vom Speichel aufgeweichten Lefzen erbrach und langsam zu kaltem röchelndem Stillstand kam.
Vor dem Fenster hatte sich das unaufdringliche Schwarz eines vergangenen Tages seit Stunden auf das von Vogelkot hässlich gesprenkelte Fensterbrett gesetzt, gekrallt, gebohrt und balancierte lustwandelnd und mit halsbrecherischer Traumtanzsicherheit auf dem schmalen Grat zwischen vergangenem Morgen und kommendem Gestern, glotze ihn mit gelangweilter Herabgelassenheit aus haarlosen Lidern aus tiefer Bedauerlichkeit an.
Lauernd stand als ständiger Wegbegleiter eine Laterne auf der gegenüberliegenden Straßenseite und wiegte sich im stärker werdenden Wind in der taillierten Hüfte einer stahlummantelten rastlosen Rostfleckenhaftigkeit. Das fahle abgestandene, gelblich-fahle, fahl-schale Licht entwich geräuschlos aus den gläsernen Lichtkornkammern und wurde vom gleichgültigen Strom nach wenigen Metern der Auferstehung in den mahlenden Sog einer undurchdringlichen Finsternismühle zwischen riesigen Nachtmühlsteinen zu feinkörnigem Schattenschleifstaub zerbröselt und bis zur Unkenntlichkeit zerfleischt.
Sein Blick glitt über den verständnislosen Tisch, wurzelte für Augenblicke des Erkennens auf der Kaffeetasse, welche die hässlichen braunen Flecken der eingetrockneten Paul Boegle: Schreibblockade bei der Blogparade. Du willst auch kostenlose Bücher? Eine eigene Rezension darüber verfassen? Registriere Dich mit Deinem aktiven Blog auf Blog dein Buch und sichere Dir Dein Gratis-Wunschbuch zum Rezensieren!Trunkenheit auf dem Porzellan speicherte und erst wieder unter der Hitze des heißen Wassers einer fernen Zukunft freigab. Ein grün-bläuliches schwimmendes Auge starrte ihn seit Tagen mit unverhohlener Neugier an, ohne Mitleid, fassend, rachsüchtig. Lauernd sah sich die Verwesung vergangener Tage um, blickte aus der schmutzigen Tasse zu ihm auf und schmiegte das eine Ende seiner porösen Schimmelpilz-Minimalerhebungen gegen den fleckigen Kaffeelöffel, welcher wie ein rostfreier Stalagmit von unten nach oben über den Rand wuchs und in einer plötzlichen kalten schrägen Aufwärtsbewegung das Wachsen einstellte.
Wieder zündete er sich eine Zigarette an, saugte die Kaltschalen-Krebszellen in seine Lungenflügel hinab und spie nach wenigen Sekunden des Inhalierens den warmen Sprühregen wieder aus Nase und Mund in die brachiale Hölle der abgestandenen Freiheit seines stickigen Treibhauses.
Der Rauch umfing das aufgeschlagene Buch, welches er vor sich auf dem Tisch liegen hatte, hüllte es sanft ein und wob einen zarten Teppich des plötzlichen Erkennens über die Verbalkonstruktionen aus Buchstaben und Satzzeichen. Dann schlug er sich mit der flachen Hand gegen die Monstrosität namens Stirn und murmelte: „Wie soll ich eine Rezension über ein Buch schreiben, wenn ich den Inhalt noch nicht einmal gelesen habe!‟
Langsam tropften die letzten Schwarzmalereien vom Fensterbrett, vermischten sich mit dem feuchten Grau des Neubeginns und rissen die eingetrockneten weißen Verkrustungen mit sich in die Tiefe des anbrechenden Morgens. Doch während der erste Tropfen im freien Fall seiner Endgültigkeit entgegenfiel und andere Nachthirngespinster mit sich riss, verschlang er bereits gierig die ersten Sätze und fraß sich schmatzend in die Syntax-Eingeweide des kostenlosen Buches hinein.

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2 Kommentare »

  1. […] guter Letzt darf natürlich der obligatorische Dank an Blogg Dein Buch nicht fehlen. Blogg Dein Buch? Nun ja, ich selbst bin in Sachen Buchrezensionen dank der drei […]

    Pingback von Freie Zeit, freie Meinung, freie Gedanken » Buchrezension: “Sommerhaus mit Swimmingpool” von Herman Koch — 21.2.2012 @ 03:45

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