Bloggen für den guten Zweck: Der Kaffee ist fertig
… klingt das net unheimlich zärtlich
Nein, in diesem Fall klingt es nicht nach Peter Cornelius, sondern vielmehr nach einer ganz besonderen Aktion. Und so lasse selbst ich heute die Satire außen vor, räume Hohn und Spott in die unterste Schublade meines virtuellen Schreibtisches, lasse meinen latenten Verfolgungswahn für einige Minuten links liegen (NICHT rechts!!!) und schreibe über den bitteren Ernst des Lebens.
Wer wie ich in Wien lebt respektive wer bereits Gast in unserer schönen Stadt an der blauen Donau war und mit (hoffentlich) schönen Erinnerungen und möglicherweise auch einigen Donauwalzer-Drehungen die Heimreise schwindelnderweise angetreten hat, wird sicherlich auch die altbekannte Wiener Kaffeehauskultur kennengelernt haben. Eine
Tasse Kaffee oder vielmehr eine Wiener Melange, dazu eine Zeitung und den ewig “grantelnden” Wiener nebst seiner ewig “grantelnder” angetrauter Wienerin am Nebentisch ist für viele der Inbegriff des sogenannten Wiener Charmes. “Nudlaug’“, “Depperter, bleda“, “Oarschloch, bleds“, die Wiener Kultfigur des Mundl alias Karl Merkatz hat mit seinen ellenlangen Schimpftiraden und verbalen Obszönitäten-Kanonaden, deren Übersetzung ich jetzt unterlasse, vorgegeben und vorgelebt: “Ein echter Wiener geht nicht unter!“
Doch was sich so liebenswürdig und beschwingt einfach im Fernsehen darstellen lässt, grenzt die Wirklichkeit nicht aus. Oder, um meinen Lieblings-Liedermacher Ludwig Hirsch vor den Karren zu spannen und aus seinem wunderbaren Lied “Der blade Bua” zu zitieren: “Es gibt Kinder, die kommen ohne Schutzengel auf d’Welt, und der Sandmann haut ihnen Reißnägel in d’Augn. Unterm Christbaum liegt jedes Jahr ein Packerl Tränen als Geschenk und ein Märchenbuch, wo der Teufel immer gewinnt.” Wer am Rande der Gesellschaft steht, wer sozial benachteiligt ist, wer wirtschaftliches Denken aufgrund tagtäglicher Existenzängste lange schon aufgegeben hat, würde vielleicht sogar die verschwindend geringe Chance nutzen, mit dem Teufel selbst um ein kleines bisschen Glück zu würfeln. Wohlwissend, dass der Teufel in Gestalt unserer Überfluss-Gesellschaft dabei mit gezinkten Karten spielt.
Dieser Artikel richtet sich hauptsächlich an Bloggerinnen und Blogger, welche durch einen eigenen geschriebenen Beitrag einen eigenen kleinen Beitrag leisten möchten, um zumindest für einige Minuten jene großen und kleinen Kinder am unbeachteten Rand in unsere Mitte zu rücken. Denn mit jedem Artikel, welcher über diese Aktion namens
“Bloggen für den guten Zweck” des Onlineshops kaffee.de in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Deutsche Tafel e.V. berichtet, wandert ein Stück Kuchen auf die eine Tafel der Tafel. Und für jeden 25. Beitrag geht zusätzlich ein Päckchen Kaffee (500 Gramm) ebenfalls dorthin, wo überschüssiges, aber qualitativ einwandfreies Essen hingehört: Zu bedürftigen Menschen, welche an reich dekorierten Schaufenstern, aber mit leerem Magen am Konsumwahnsinn vorbeiziehen.
Dass diese Aktion nicht die Hungerprobleme dieser Welt lösen wird, lässt sich weder bestreiten noch wegdiskutieren. Doch auch kleine Dinge können für manche Menschen Großes bedeuten. Und sei es “nur” ein Stückchen Kuchen und eine Tasse Kaffee dazu. Auch sei gesagt, dass diese Charity-Aktion sicherlich einige KritikerInnen auf den Plan rufen wird.
Ich habe bereits nicht von der Hand zu weisende Argumente gelesen, dass dadurch die Umsätze der Online-Plattform gesteigert werden sollen (siehe z.B. “Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen!”), was sicherlich ein absolut schlüssiges Kontra ist. Auch steht es außer Frage, dass Bedürftige und hungrige Menschen wohl in den meisten Fällen, wenn wir dabei die Maslow’sche Bedürfnispyramide als Parameter zugrunde legen, meist andere Wünsche als ein Stück Kuchen oder eine Tasse Kaffee haben. Und es ist sicherlich richtig, dass die Aktion “Bloggen für den guten Zweck” auch in meinen Augen mit anderen Hilfsmitteln belohnt werden sollte. So wäre es durchaus denkbar, dass die berichtenden BloggerInnen aus einer bereitgestellten Liste selbst die Spendenartikel auswählen dürfen, welche dann an die Tafel e.V. gehen. Eine Tube Zahnpasta mit Zahnbürste, ein Schal für den kommenden Winter oder einfach nur ein Buch, um sich die Unmenge an freier Zeit zu vertreiben, wären doch auch nicht schlecht und vor allem etwas langfristiger gedacht.
Aber andererseits bin ich der Meinung, dass wir in einer Welt des Überdrusses und eben des Überflusses nach jedem noch so kleinen helfenden Strohhalm greifen sollten. Wer also ebenfalls seinen kleinen Teil zu dieser Aktion beitragen möchte, wobei der eigene Artikel nicht in solchem Umfang ausfallen muss, verfasst einen Artikel und stellt diesen natürlich auch online. Und ganz wichtig: Den Link an redaktion@kaffee.de senden, damit die Spende registriert und auch weitergeleitet werden kann.

