Freie Zeit, freie Meinung, freie Gedanken

5.8.2011

Bild Zeitung probiert Buchstaben aus

Abgelegt unter: Lese-Zeit — Paul Boegle @ 08:40


LeserInnen beschweren sich bei Bild

Nachdem es in den vergangenen Wochen zu zahlreichen Beschwerden der treuen Leserschaft des deutschen Wirtschaftsblattes, Politikmagazins und auch einer der angesehensten WissenschaftszeitungenLiteraturzirkel und Sportfachblätter mit angeschlossener Gesellschaftskolumne von exorbitanter Qualität im deutschsprachigen Raum, der überregional und besonders in Mallorca, Thailand und Ibiza beliebten journalistischen Farbpalette “Bild Zeitung“, wegen zu schwieriger und völlig unverständlicher Bilder kam, welche zwar bunt, aber vollkommen ton- und kommentarlos im luftleeren Medienraum vor sich hin siechten, dümpelten und vergeblich auf Enträtselung warteten, probieren es die Verantwortlichen ab sofort mit Buchstaben aus.

Der verantwortliche Schäffrädacktör oder so ähnlich eben sagte dabei in einer ersten Stellungnahme: “Wir nehmen die Wünsche unserer BilderInnen sehr ernst. Wir warenBild Dir Deine reduzierte Meinung. Bild Zeitung, Österreich und Krone lockern die bunten Bilder durch Buchstaben auf. bisher zwar der Meinung, dass das Lesen nicht Hauptbestandteil einer Zeitung sein sollte, aber selbst wir können nicht überall dabei sein. Es kann natürlich schon sein, dass durch unsere umfassenden Recherchen in letzter Zeit das eine oder andere Bild dabei war, das vom Inhalt einfach zu schwierig war. Besonders bei den Farbbildern waren einige dabei, wo nicht einmal ich selbst wusste, was die zu bedeuten haben. Aber das wird sich ab sofort ändern. Schon ab der kommenden Ausgabe werden wir einen völlig neuen Weg für Printmedien gehen. Wir werden als erste Zeitung sogenannte Buchstaben verwenden. Ein absolutes Novum in der deutschsprachigen Medienlandschaft. Da wird die Konkurrenz schön schauen, wenn es bei uns was zu lesen gibt.”

Freie Zeit“, der Blog für fette Buchstaben und einsilbige Wörter, befragte dazu einige StammbildnerInnen zu ihrer Bildung Meinung.

Lothar M.: “Wenn die glauben, dass ich mit 50 Jahren noch zum Lesen anfang, bitte schön. Aber ohne mich!”

Thilo S.: “Ich kann selber gute Bücher schreiben. Da brauch ich nix zum Lesen. Das schaff ich ganz schnell wieder ab. Zusammen mit ganz Deutschland am besten.”

Hans K.: “Heast, Deppeda. I woar da Höd von Kordeppa im ochtasiebzga Johr. Wer wie i zwa Gol gegn die Deitschn gmocht hot, braucht kahne Zeidungen lesn. Woi de schreibn sowieso üwa mi ond des siach i dann an de Büldn.” Zum besseren Verständnis für die des Wienerischen nicht mächtigen Menschen das Ganze auf Hochdeutsch: “Hör einmal, mein lieber Freund. Ich war der unbestrittene Held von Cordoba im Jahre 1978. Wer wie ich damals zwei Tore gegen Deutschland schoss, hat es nicht notwendig, Zeitung zu lesen. Die Printmedien schreiben tagtäglich über mich und meine sensationellen Leistungen und da wäre es nur hinderlich, sich auf die Buchstaben zu konzentrieren, welche die vielen schönen Bilder mit meinem Konterfei umgeben.

Richard L.: “Das Wort “Opernball” kann ich sogar buchstabieren. Nicht sofort, aber nächstes Jahr wieder.“ 

Wie allerdings jetzt bekannt wurde, hat eine österreichische Wirtschaftszeitung, ein hochrangiges Politikmagazin und ebenfalls mit fundiertem Wissen glänzendes Wirtschaftsblatt, welches mit einer reichhaltigen Aneinanderreihung von großformatigen Bildern, deren Tiefgang für die fundierte Berichterstattung unerlässlich ist, die eigenen LeserInnen und drei Billionen HandynutzerInnen des Planeten Erde tagtäglich torpediert, nun Klage gegen die ehemalige Bild und jetzige Buchstaben Zeitung eingebracht. Vor dem Europäischen Gerichtshof für substantielle Großschreibung und diffamierende Kleinhirne pochen die Rechtsanwälte von “Österreich” darauf, dass ihr Mandant schon vier Stunden vor Erscheinen der “Bild mit Buchstaben“, wie sie sich selbst nun betitelt, die ersten Buchstaben in einer eigens dafür herausgegebenen Sonderausgabe verwendet hat.

Der Rechtsstreit wurde jedoch auf Betreiben der klagenden Partei nun friedlich aus dem Weg geräumt. Die Kontrahenten verständigten sich darauf, dass die deutsche Bild Zeitung ab sofort nur noch die Buchstaben B, I, L und D für die tägliche Berichterstattung verwendet und nur mit einem einzigen Vokal hantiert, während sich die österreichischen Rettacktöhre oder so ähnlich eben damit zufriedengeben, in Zukunft den eigenen LeserInnen anhand eines breit gefächertes Spektrums von bis zu zwei Vokalen, welche im Bedarfsfall sogar zu einem Diphthong erweitert werden können, und fünf Konsonanten, welche dem Diphthong und den Schornallisten oder so ähnlich eben hilfreich zur Seite stehen, die große Welt erklären werden. Was mit den restlichen Buchstaben passiert, konnte bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht endgültig geklärt werden.

Allerdings zeigten sich beide Parteien äußerst überrascht, dass es überhaupt noch weitere Buchstaben gibt. Doch für diese unschätzbar wertvolle Erkenntnis gibt es schließlich auch noch die österreichische Krone der Printmedien-Schöpfung, welche mindestens jeden Tag den Vokalen und Konsonanten V, O, L, K, S, E, R, D, U, M, N, G oberste Piorität einräumt und die Frühstückstische unendlich bereichert. Mit oder ohne weichgekochtem Diphthong oder hartgekochtem Ei. 

läuft stressfrei mit WordPress ( WordPress.de )