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29.7.2011

Kontinentaldrift: Hausbesitzer ins Ausland abgeschoben

Abgelegt unter: Zeit-los — Paul Boegle @ 08:13


Wegen Plattentektonik muss österreichische Familie nach Deutschland auswandern

Der durch SeismologInnen und GeowissenschaftlerInnen beobachtete Kontinentaldrift entlang der deutsch-österreichischen Grenze, welcher durch die verstärkten Aktivitäten der deutschen polierten Platte, welche sich nach Norden bewegt, und der in entgegengesetzter Richtung wandernden österreichischen langbespielten Platte in letzter Zeit Anlass zu Besorgnis gab, hat nun zu einem ungewöhnlichen Auswanderungsversuch mit Sack, Pack, Kind, Kegel und einem kompletten Haus geführt. Familie Bögle, welche seit 22 Jahren stolze Eigentümer eines schmucken Einfamilienhauses mit gepflegtem Vorgarten und tadellos geschnittenem Rasen ist, müssen innerhalb der nächsten Tage einen Eilantrag auf Erteilung der deutschen Staatsbürgerschaft stellen, da sie mehr unfreiwillig als freiwillig in einer Nacht- und Nebelaktion über die sogenannte grüne Grenze illegal in die Bundesrepublik Deutschland eingewandert sind und sozusagen fliegend die Seiten gewechselt haben.

Nachdem sich die Kontinentalverschiebung entlang einer der aktivsten seismologischen Plattenbauten bereits seit Jahrzehnten durch geringfügige Verschiebungen der beiden Staatsgrenzen angedeutet hatte, sieht man von der historischen großen Kontinentalverschiebung der Jahre 1933 bis 1945 ab, welche tiefe Löcher braunes stinkendes Erdreich zurückließ und auch in der Gegenwart durch blauen übelriechenden Rauch auf österreichischer Seite leider immer häufiger zu sehen und zu riechen ist, wurde nun Familie Bögle ein erstes Opfer der geologischen Verschiebungen durch eine besonders starke bilaterale Grenzverschiebung.

Freie Zeit“, der Blog für länderübergreifende Einfamilienhäuser und bilaterale Dachgeschosswohnungen, hat heute vormittag den ausgewanderten Paul Bögle zu seiner vollkommen neuen Lebenssituation befragt und wollte wissen, ob er sich auf das fremde Land schon freue. Da “Freie Zeit” keine Einreisegenehmigung erhielt und Paul Bögle andererseits aufgrund der undurchsichtigen Situation als derzeit Staatenloser ohne gültige Dokumente keine Einreisegenehmigung ausgestellt wurde, musste das Interview über die Grenzen hinweg gebrüllt werden, wobei aufgrund der durch die aneinander reibenden Kontinentalplatten die Verständigung mehr als schwierig war. Wir bitten deshalb die schlechte Tonqualität zu entschuldigen.

Freie Zeit“: “Herr Bögle, wie fühlen Sie sich nun als stolzer Hausbesitzer ohne eigenen Grund und Boden in einem für Sie fremden Land?

Paul Bögle (schreit zurück): “Ja, es stimmt, dass ich als Hausbesetzer beschimpft wurde. Und meinen wunden Hoden geht es schon viel besser. Danke der Nachfrage.”

Freie Zeit” (jetzt mit Megaphon): “Hatten Sie eigentlich jemals daran gedacht, in ein für Sie fremdes Land auszuwandern? Der Schritt kommt ja doch etwas überraschend und sogar überstürzt.”

Paul Bögle (mit erhobenem Daumen): “Also, ich muss ehrlich gestehen, dass ich überhaupt nicht gelacht habe, als ich über die Wand gestürzt bin. Aber in meinem Schritt war sicherlich nie eine fremde Hand. Sie wissen schon, wegen den wunden Hoden ginge das auch gar nicht im Moment.”

Freie Zeit” (wechselt die Batterien des Megaphons): “Wussten Sie eigentlich, dass Ihr Haus direkt auf solch aktiven Kontinentalplatten steht? Es ist ja nicht alltäglich, dass plötzlich ein Haus über Nacht über eine Staatsgrenze in ein anderes Land geschoben wird. Meist werden ja aus Österreich nur Menschen abgeschoben. Aber ganze Häuser? Und dann plötzlich in einem fremden Land mit fremden Sitten zu stehen ist sicherlich nicht einfach.”

Paul Bögle (lächelt freundlich): “Nein, ich denke, dass die Menschen hier genauso wenig nachtaktiv sind wie auf dem übrigen Kontinent. Und ich denke, dass die auch nicht abgehoben sind. Aber dass ich meine Hand auf fremde Titten lege, stimmt schon einmal überhaupt nicht. Ich bin schließlich in einem fremden Land mit fremden Sitten, wie es so schön heißt.

Freie Zeit” (lächelt ebenfalls freundlich): “Herr Bögle, wir wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft. Und grüßen Sie auch Ihre Gattin von uns. Und wenn Sie gültige Papiere haben, können Sie uns ja wieder in Österreich besuchen. Vorausgesetzt natürlich, Sie sind nicht schon wieder aufgrund der Plattentektonik irgendwohin ausgewandert.

Paul Bögle (jetzt nachdenklich): “Ich habe bis jetzt noch keine Ratten mit Drüsen hier gesichtet. Und dass ich die Scharniere suchen muss, hat mir meine Frau sowieso schon gesagt. Ja, das mit dem Honig werde ich mir nochmal überlegen.” 

Wir wünschen der ruhelosen Familie mit dem rastlosen Einfamilienhaus auch jenseits der Landesgrenzen viel Erfolg. Und selbstverständlich hat “Freie Zeit“, der Blog für geisteskranke GeowissenschaftlerInnen und staunene SeismologInnen wieder eines jener unübertroffenen Bilddokumente für Sie parat. Sehen Sie anhand einer phantastischen Langzeitaufnahme, wie sich der Bereich an der deutsch-österreichischen Grenze durch das Naturereignis so tiefgreifend verändert hat. Fahren Sie einfach mit der Maus über das nebenstehende Bild, um auch die letzten Geheimnisse eines Kontinentaldriftes zu verstehen.

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