Legoland von Helgoland okkupiert
Friesenkrise: Erfolgreicher Sturm auf die Bausteine-Bastille
In einem Handstreich eroberte das aufstrebende Weltreich und wohl eine der wichtigsten zukünftigen Seemächte, nämlich die Insel-Dualgruppe Helgoland, vergangene Nacht die Noppenrepublik und Bausteinfabrik Legoland im benachbarten Dänemark. Grund für die Invasion dürfte die zunehmende Verwässerung der nicht gerade üppigen Landmasse der Nordseeinsel sein. Und zusätzliches Bauland wird im äussersten Norden der Bundesrepublik Deutschland dringend benötigt. Während Millionen Menschen vor den TV-Geräten den Boxkampf zwischen Wladimir Klitschko und David Haye im nahen Hamburg verfolgten, rüstete sich Helgoland für den minutiös geplanten Einmarsch in Legoland.
Nachdem erst letzte Woche die Medien darüber berichteten (z.B. aktuelle Artikel in “Helgoländer Botendienst”, “Volle Wucht und Deutsche Bucht”, “Watt is los im Watt?” oder “Bild am Nordseestrand”), dass auf der nur ein Quadratkilometer grossen Hauptinsel Helgoland ein Shopping-Center gebaut werden soll, welches aufgrund der Zollfreiheit in der Preisgestaltung immense Vorteile gegenüber dem deutschen Festland besitzt, wurde nun bekannt, dass das im Zuge der Fertigstellung ebenfalls geplante Terminal für den neuen Flughafen Helgoland-Süd auf der nahen Insel Düne wegen grober Fehler in der in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie keine Chance auf eine Baugenehmigung erhalten wird.
Als Hauptgrund nennen die verantwortlichen Behörden die wechselnden Winde der Süd-West-Passage, welche sich wegen des Klimawandels vom angrenzenden Beringmeer in einem Kontinentaldrift von fast vier Meter pro Stunde langsam nach Osten schiebt und aufgrund dessen ein gefahrloser Flugbetrieb nicht sichergestellt werden kann. Da erste Hochrechnungen davon ausgehen, dass sich durch das neue Einkaufszentrum die Besucherzahlen von derzeit 3500 Menschen pro Jahr auf nahezu 3,5 Millionen Einkaufswillige schlagartig vertausendfachen wird, wurden verschiedene Möglichkeit im Insulaner-Gemeinderat erörtert.
Doch letzte Nacht wurde in einer regelrechten Nacht-und-Nebel-Aktion das dänische Legoland Billund eingenommen. In weniger als 20 Minuten drangen dabei mehrere Maskierte, welche sich selbst als “Genoppte friesische Acrylnitrilbutadienstyrol-Spritzlinge” bezeichnen, in den geschlossenen Freizeitpark ein, übernahmen sämtliche wichtigen Einrichtungen wie den Campingplatz, das noch nicht einmal gedeckte Frühstücksbuffet und die Piraten-Bowlingbahn und verkündeten um 4:12 Uhr Ortszeit: “Legoland ist Helgoland!” Unterstrichen wurde dies mit Hissen der Helgoländer Flagge, welche nun weithin sichtbar über Legoland weht und die Gebietsansprüche unterstreicht. Google Maps hat bereits reagiert und die elektronischen Landkarten innerhalb weniger Minuten aktualisiert.
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, der sich gerade auf dem Rückflug von einem Kurzbesuch mit VertreterInnen von Disneyland befand, zeigte sich entsetzt von der aktuellen Entwicklung und berief den deutschen Botschafter und Sonderbeauftragten für tragende Bausteine und fliegende Bauklötze “Prince of Persia” zu sich, um sich über die prekäre Situation unterrichten zu lassen. Selbst die deutsche Bundeskanzlerin Merkel, welche sich mit ihrem MitarbeiterInnenstab auf Stippvisite in Lummerland befand, um dort für ihre Visionen erneuerbarer Ministerposten und wiederverwertbarer Kabinettsmitglieder zu werben, war regelrecht erschüttert über das Vorgehen von Helgoland und versprach, umgehend humanitäre Hilfe nach Legoland zu entsenden. Ebenfalls schloss Frau Merkel nicht aus, wirtschaftliche Sanktionen gegen Helgoland auszusprechen und ließ sogar durchblicken, dass ein militärischer Schlag gegen die fiesen Friesen im Bereich des Möglichen liege.
Militärische BeraterInnen sprachen sich in einem bisher unveröffentlichten Kommuniqué, welches “Freie Zeit“, dem Blog für Erstschläge und Zweitwohnsitze jedoch in Auszügen vorliegt, dafür aus, die mit Duplo-Sprengköpfen ausgerüsteten Quatro-Raketen mit Primo-Antrieb gegen die Okkupatoren einzusetzen. Allerdings befinden sich noch mehrere Hundert Lego-Männchen in der Gewalt der Kriminellen, so dass ein solches Vorgehen wahrscheinlich den Tod unzähliger Noppen-Bausteine zur Folge hätte.
Helgolands Bürgermeister Adam Riese, der “Hüne aus Düne”, zeigte Gesprächsbereitschaft und forderte seine Landsleute auf, umgehend Legoland zu verlassen und nach Hause zurückzurudern. Allerdings unterstrich er dabei noch einmal, dass anstelle des geplanten Flughafens zumindest eine Tiefgarage mit 23 Stellplätzen und zwei Frauenparkplätzen gebaut wird und das nahe Watt solange mit Flugsand aufgeschüttet wird, bis darauf ein 4-Loch Golfplatz Platz hat. Ob das bereits in der ersten Bauphase befindliche Einkaufszentrum jetzt auf einen Zigarettenautomaten mit angeschlossenem Aschenbecher beschränkt wird, muss eine neuerliche Prüfung erst klären.

