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22.6.2011

Stiefel Knecht erschlägt Bauern Schmaus

Abgelegt unter: Zeit-GenossInnen — Paul Boegle @ 03:19


Streit eskaliert: Wegen lauwarmen Bauernschmaus mit Stiefelknecht getötet

Auf einem landwirtschaftlichen Anwesen in der Nähe von Klein Hirn a.d. Schmalz kam es letzte Nacht zu einem schrecklichen Tötungsdelikt. Weil der selbstgemachte Bauernschmaus des Bauern Schmaus nur lauwarm auf dem Teller von Knecht Friedrich Stiefel, im Volksmund nur von allen der Stiefel Knecht genannt, landete, griff Stiefel Knecht in einer Affekthandlung zu einem an der Wand lehnenden Stiefelknecht und erschlug den Bauern Schmaus mit dem Stiefelknecht wegen des lauwarmen Bauernschmaus.

Amtsarzt Paul Bögle, welcher die Exhibition und anschließend am nackten Bauern Schmaus auch die angeordnete Obduktion des dann immer noch toten und schon kalten Bauern vornahm, sprach von einer regelrechten Hinrichtung. “So etwas habe ich in 32 Jahren noch nicht gesehen. Der Stiefel Knecht hat den Bauern Schmaus mit dem Stiefelknecht regelrecht hingerichtet. Der Bauernschmaus des Bauern Schmaus kam schon zu den Ohren raus, so hat der auf ihn eingedroschen. Furchtbar, einfach grausam.”  

Witwe Schmaus geb. Bolte gegenüber “Freie Zeit“, dem Blog für kalte Bauern und warme Brüder: “Schrecklich, wie dieser bösartige Stiefel auf meinen armen Schmaus erstPaul Bögle: Stiefel Knecht ermordet Bauern Schmaus wegen lauwarmen Bauernschmaus mit Stiefelknecht. hingetreten hat und ihn dann mit dem Stiefelknecht erschlagen hat. Und alles nur wegen eines Bauernschmaus. Ich wünsch dem Stiefel Knecht, dass er 20 Jahre nur noch Bauernschmaus zum Fressen bekommt. Ersticken soll er oder ich erschlag ihn mit dem Stiefelknecht.” Betretenes Schweigen herrscht in der gemütlichen Bauernstube, als sich Witwe Schmaus geb. Bolte wegen des verblichenen Bauern Schmaus so in Rage redet und wild gestikulierend den Stiefelknecht in Richtung Stiefel Knecht schüttelt, der gerade in den vor der niedrigen Bauerntüre wartenden Polizeiwagen einsteigt.

Das morsche Gebälk ächzt. Zwei Tauben gurren auf dem Dachgiebel und drücken sich gegen den rauchenden Kamin, um sich vor dem nahenden Herbststurm zu schützen. Auf dem Kohlenherd steht noch der große Topf Bauernschmaus. Leise knackend frisst er sich in den heißen Topfboden, während sich eine kleine dunkle Rauchsäule aus der Tiefe in dünnen nebligen Fahnen an die schwarzgeräucherte Decke kräuselt. Ein Reissverschluss ratscht sich in das Schweigen der am Tisch Sitzenden. Einer der aus der nahen Kreisstadt Groß Hirn a.d. Schmalz angereisten Kriminalbeamten lässt vorsichtig die Mordwaffe in einen Plastiksack gleiten. Die Spurensuche ist abgeschlossen und der ebenfalls anwesende Fotograf macht noch letzte Fotos vom Tatort, um dann sorgfältig das Blitzlicht und die beiden Kameras in den Taschen zu verstauen.

Dann tritt er mit den schwarzen gepolsterten Taschen vor der Türe des Bauernhauses, nimmt schweigend eine der angebotenen Zigaretten des Kriminalbeamten und beugt seinen massigen Schädel zum flackernden Feuerzeug hinunter. Sein Blick gleitet über die bereits abgeernteten Felder, auf denen sich die dürren gelben Stoppeln vor dem Herbstwind tief ducken. Langsam und gedankenverloren schüttelt er seinen breiten kopf, welcher durch den grauen Bürstenhaarschnitt noch massiger wirkt. Er macht zwei weitere Züge, ohne den inhalierten Rauch aus den Lungen zu blasen. Dann schnippt er die Zigarette mit den Fingern in einen nahen Himbeerstrauch, dessen struppiges Geäst die Zigarette auffängt und nicht mehr loslässt. Die klare kalte Herbstluft vermischt sich mit den krebserregenden Stoffen, welche die langsam verglimmende Glut freigibt. Dann wird die Rauchfahne immer schwächer, bis sie endgültig im Licht der gelbfahlen Sonne verblasst. Zurück bleibt der zusammengedrückte Filter, welcher durch die Hitze an seinem Ende völlig verkohlt ist.

Ein riesiger Traktor rumpelt mit Höchstgeschwindigkeit den steinigen Weg hinauf. Der Anhänger, voll mit tanzenden und hüpfenden leuchtenden Kürbissen, folgt widerwillig der schweren Zugmaschine. Nur wenige Meter vor dem Eingang bremst der Fahrer das Gefährt ab, springt mit einem Satz vom Führerhaus und grüßt die Männer mit einem kurzen Kopfnicken. Die beiden tiefen Abdrücke der Gummistiefel hallen schmatzend in der feuchten Erde nach und füllen sich langsam mit dem schmutzigbraunen Regenwasser der Wasserlachen.   

Schweigend betritt der örtliche Bauernvorstand die verrauchte Bauernkate, setzt sich an den klobigen Holztisch und sucht umständlich nach Worten der Trauer. “Äh, ja. Also, den da draussen führn’s grad ab. Also ja. Bäuerin, hoast an Schnaps für mi.” Während Bäuerin Schmaus und seit etwa einer Stunde Witwe Schmaus geb. Bolte mechanisch ein kleines Glas mit der brennenden Flüssigkeit füllt, greift der Gast nach einem auf dem Tisch liegenden Löffel. Bedächtig kaut er den Bauernschmaus zu einer breiigen Masse, immer wieder unterbrochen durch ein Grunzen. Dann nimmt er den Schnaps, legt seinen Kopf nach hinten und kippt ihn mit einem Zug hinunter. “Der Bauernschmaus ist ja lauwarm. So was wär glatt ein Grund für einen Mord.”

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