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27.5.2011

Exorzist malt Teufel an die Wand

Abgelegt unter: Zeit-GenossInnen — Paul Boegle @ 09:24

Fristlose Kündigung für dilettantischen Teufelsaustreiber

Während einer Teufelsaustreibung kam es vergangene Woche zu einem fatalen und folgenschweren Irrtum. Ein neuerlicher Pfusch im Dienste der Christenheit, was aber in Anbetracht der Kirche niemanden mehr wirklich erstaunt. Weil sich die Eltern des 4-jährigen Damien, die ebenfalls anwesende 104 Jahre alte Großmutter nennt das Kind nur ”Satansbraten von Gottes Gnaden“, wegen des seltsamen Verhaltens ihres Sohnes an die Kirche wandten und diese ihren besten Geldeintreiber und Teufelsaustreiber in einer Person schickten, kam es zu der vollkommen überzogenen Kurzschlusshandlung des Pastoralpsychopathen, wie sich der klerikale Herr “In einer Person” , für ihn gilt wie immer die Keuschheitsgelübde-Vermutung, gerne selbst bezeichnet.

Eigentlich sagten wir denen mit dem Kreuz auf dem Dach, dass unser Sprössling bei jeder erstbesten Gelegenheit immer den Teufel an die Wand malt. Und weil er das halt letzte Woche mitten auf die Hausmauer von denen mit dem Kreuz auf dem Dach gemacht hat, wollten wir nur wissen, ob wir das unserer Versicherung melden sollen oder ob unser kleiner Liebling vielleicht Ministrant bei denen mit dem Kreuz auf dem Dach werden soll. Zumindest solange, bis er seine Ferkeleien abgebüßt hat. Aber der von denen mit dem Kreuz auf dem Dach war wahrscheinlich so schwerhörig, dass er irgendwie verstanden hat, dass die mit dem Kreuz auf dem Dach uns jemand schicken, der den mit dem verkehrten Kreuz unter dem Dach durch jemanden von denen mit dem Kreuz auf dem Dach austreiben. Tja, so war das eigentlich.” Immer wieder blickt die Mutter zum Fenster der kleinen Zweizimmer-Wohnung hinaus, sucht verzweifelt und mühsam nach den richtigen Worten, während sie uns aus echtem Meissner Porzellan Kaffee nachschenkt.

Sie sieht meinen neidischen Blick, der unentwegt auf dem teuren Porzellan hängt und gleichzeitig und verständnislos die ärmliche Küche mustert. “Ein Andenken an meineExorzist malt Teufel an die Wand. Teufelsaustreiber aus Dienst der Kirche fristlos entlassen und exkommuniziert. Mutter. Nachdem Damien jetzt nicht mehr bei uns ist, ist sie vor lauter Kummer nach Ibiza gezogen. Mit 104, stellen Sie sich das nur mal vor.” “Was geschah dann? Also, nachdem der Pastoralpsychopath mit dem Keuschheitsgürtel von denen mit dem Kreuz auf dem Dach Ihren Damien in der Mangel hatte“, will ich wissen, während ich überlege, ob ich die sündhaft teuren Kaffeetassen in meiner Laptoptasche verschwinden lassen soll. “Geht nicht. Sonst muss ich aus der Schnabeltasse vom kleinen Damien trinken.” Ich lasse den Plan wieder fallen und schaue ebenfalls zum Fenster hinaus.

Naja, dieser ominöse Monsignore, wie er sich vorstellte, kam herein, blickte sich nach Damien um und fing an, lauter wirres Zeug zu reden. Zum Beispiel, dass das jüngste Gericht meistens ungenießbar sei und er deshalb lieber zuhause esse. Oder dass der jüngste Tag meistens schon ziemlich zeitig für ihn beginne. Meistens stehe er auf, wenn irgendein Hahn dreimal gekräht habe. Der wohnt wahrscheinlich auf einem Bauernhof, hab ich mir gedacht. Und dann hat er noch gesagt, dass alle Flugzeuge nach Rom fliegen. Kann aber nicht stimmen, weil meine Mutter ist ja in Ibiza. Und irgendwie hatte ich die ganze Zet das Gefühl, dass er es auf mein Meissner Porzellan abgesehen hatte. Und dann hat er meinen Kleinen überall so komisch angefasst. Und wie ich frage, was er da macht, sagt er, dass der Teufel eben im Detail stecke. Und weil halt der Damien so kleine Details habe, müsse er ganz genau schauen. Und wie er fertig war, hat er sich einfach umgedreht und ist mit meinem Kleinen an der Hand zur Türe hinausspaziert. Tja, so war das eigentlich.” Wieder blickt sie lange zum Fenster hinaus und schüttelt stumm ihren Kopf. Ich überlege, ob ich die Kaffeetassen in meiner Jackentasse verschwinden lassen soll. Doch dann fällt mir ein, dass ich dort schon die Sektflöten aus Muranoglas von meinem letzten Interviewpartner habe.

Ich muss mir einen grösseren Mantel kaufen“, sage ich halblaut in das monotone Ticken der teuren Küchenuhr. “Bitte?” “Nichts, nichts. Fahren Sie doch fort.” 

Eigentlich gibt es nicht mehr viel zu sagen. Als die beiden draussen waren, hab ich mir nur gedacht: Hoffentlich schmiert mein Liebling nicht wieder irgendwelche Wände an. Weil er ja jetzt mit so einem hohen Herrn von denen mit dem Kreuz auf dem Dach unterwegs ist. Seither hab ich nichts mehr von dem kleinen Schmierfink gehört. Und von dem von denen mit dem Kreuz auf dem Dach, der was meinen Kleinen von dem mit dem verkehrten Kreuz unter dem Dach befreien sollte, weiss ich nur, dass der scheinbar seit Neuestem für den mit dem verkehrten Kreuz unter dem Dach arbeitet und nicht mehr für die mit dem Kreuz auf dem Dach. In unserem Kirchenblatt “Adam’s Apfel und Birne Helene” ist nur gestanden, dass der eidesstattliche römisch-katholische Teufelsaustreiber Seine Exzellenz “In einer Person” nun selbst exkommuniziert wurde. Und scheinbar haben sie ihn danach exhumiert, weil er bei irgendwelchen Hausschmiereien von jemandem anderen Schmiere stand und dabei von einem herabfallenden Kreuz erschlagen wurde. Tja, so war das eigentlich.”

Das langsame Ticken der teuren Küchenuhr frisst sich in meine Gehörgänge, während ich beim Aufstehen kurz überlege, ob ich vielleicht eine Kaffeetasse in meiner Hosentasche verschwinden lassen soll. Doch dann fällt mir ein, dass ich sonst möglicherweise die Bibel beschädigen könnte, welche ich vor einer Stunde beim Beichtgang mitgehen ließ. “Vater unser, vergib mir, dass ich so vergesslich bin.”   

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