Menschen schreiben für Menschen: Der Wagner-Verlag
Ich bedanke mich ganz herzlich bei Ihnen, dass Sie sich die Zeit nehmen, mich nach meinem ersten Teil (Wagner-Verlag: AutorInnen wagen der ersten Schritt) im Rahmen der Vorstellung des Wagner-Verlages wieder für einige Minuten durch die Welt der Bücher zu begleiten. Was für uns, zumindest erscheint es uns so, selbstverständlich ist, nämlich die uneingeschränkte Nutzung eines gedruckten Werkes in Form des Lesens oder des Publizierens, wird bei näherer Betrachtung selbst im aufgeklärten zweiten Jahrtausend oftmals zu einem Vabanquespiel auf Leben und Tod. Ich möchte hierbei explizit darauf verweisen, dass ich mich dabei auf jene Werke stütze, welche nicht gegen geltendes Recht, gesetzliche Bestimmungen, gesellschaftliche Konventionen oder wie auch immer geartete Normen und Restrikitionen verstossen. Denn die Geschichte hat uns gelehrt und zeigt es uns leider bis zum heutigen Tage immer und immer wieder: Bücher und die dahinterstehenden AutorInnen und Befürworter dieser Gedanken stehen immer noch auf dem Index der Politik, den Verbotslisten von Staaten und werden leider auch aufgrund ihrer “Andersartigkeit” von Gegnern diskriminiert.
Ich möchte mit Ihnen nun für einige Augenblicke in die Geschichte abtauchen und anhand einiger Beispiele verdeutlichen, aus welchen Bewegggründen diese geistige Unterdrückung der Gedankenfreiheit untrennbar mit den Menschen verbunden ist. Sollten Sie allerdings jetzt bereits
das Bedürfnis haben, Ihr verfasstes Manuskript veröffentlichen zu wollen, bin ich Ihnen keinesfalls böse. Dann darf ich mich kurzerhand von Ihnen verabschieden und darf Sie nun auf den Wagner-Verlag weiterleiten. Alle anderen bitte ich, mir zu folgen. Was aber auch zweideutig eindeutig aufgefasst werden kann, denn in Zeiten von Facebook würde sich der Wagner-Verlag genauso wie ich in der Sidebar um eine entsprechende Gefolgschaft freuen.
3. Bücher als Sinnbild für Tod und Vernichtung
Bücher sind untrennbar mit dem dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte verbunden, welche ihren Anfang vor gerade einmal einem Menschenleben ihren Anfang nahm und doch bis in die heutige Zeit bleischwer nachhallt. Die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten im Mai 1933 schwebt immer noch als riesiges drohendes Damoklesschwert staatlicher Willkür, geistiger und menschlicher Intoleranz in seiner unmenschlichsten Form und Beginn für die bestialischsten Verbrechen, zu welchen Menschen fähig sind, über unseren Köpfen. Von den nachfolgenden Generationen oftmals verdrängt oder sogar vergessen, gleiten diese Rauchschwaden menschlicher Dekadenz und Ignoranz als ethisch-moralische Fanale fast schon unbeachtet und tief schlummernd über unsere Häupter hinweg. Doch diese Bücherexekutionen oder Bücherhinrichtungen ziehen sich wie ein roter Faden durch viele Kulturen und Epochen unserer Weltgeschichte.
Bereits vor Beginn unserer Zeitrechnung wurde dieses Mittel der geistigen Unterdrückung erflogreich und legitim im chinesischen Kaiserreich angewandt. Im ersten Konzil von Nicäa, welches der römische Kaiser Konstantin I. 325 n. Chr. einberief, wurden die Bücher des Arius verbrannt und der Besitz unter Todesstrafe gestellt, da sie nach Meinung der teilnehmenden Bischöfe herätisch waren, also im Widerspruch zur Lehrmeinung der damals allgemeingültigen Kirchenmeinung standen. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde damit die Meinung Andersdenkender nicht nur als reines Vergehen gegen die Kirche gewertet, sondern sogar als Verbrechen gegen den Staat angesehen.
Im Jahre 1242 brannten in Paris zwei volle Tage die Scheiterhaufen mit insgesamt 24 Wagenladungen voller jüdischer Schriften. Diese sogenannte “Pariser Talmudverbrennung“, welche Papst Gregor IX. initiiert hatte, war die wohl grösste Schriftenverbrennung des Mittelalters. Doch auch diese Zensur sollte für lange Zeit nicht die letzte bleiben. Auf dem “Scheiterhaufen der Eitelkeiten” verbrannten Mitte des 15. Jahrhunderts in Florenz Werke von Ovid neben dem Decamerone von Boccaccio, einer Sammlung von 100 Novellen in Prosaform, dessen Bogen sich über die gesamte damals bekannte Welt spannte und gleichzeitig ein wunderbares Sittengemälde war. Kaum war diese Glut erkaltet, erließ Karl V. das Mandat zur Verbrennung des Kirchenreformators Martin Luther. Wenige Jahrzehnte später wurden in Yucatán durch den dortigen Bischof bis auf vier erhaltene Exemplare sämtliche Götzenbilder und Bücher der Maya ein Raub der Flammen. Unwiederbringliche Schätze und Zeugnisse einer längst untergegangenen Kultur, welche nach Meinung der Kirche der Teufelsanbetung dienten.
1793 wurden auf Anordnung von Robespierre Bücher dem Feuer übergeben, welche die bis zur Revolution herrschenden Könige verherrlichten. Die Verfassung der Vereinigten Staaten ging 1854 als Dokument der Sklaverei in Flammen auf, gefolgt von der Vernichtung einmaliger Dokumente des Mittelalters zu Beginn des Ersten Weltkriegs, welche in der Katholischen Universität Löwen gelagert waren.
Doch wer nun glaubt, mit der eingangs erwähnten Bücherverbrennung der Nazis seien diese literarischen Exekutionen abgeschlossen, irrt. “Die satanischen Verse” von Salman Rushdie, ein regimekritisches Buch von Gabriel Garcia Marquez gegen den damaligen chilenischen Diktator Pinochet, Vernichtung intellektuellen Gedankenguts durch die Roten Khmer unter Pol Pot, das von serbischen Truppen im Bosnienkrieg zerstörte Orientalische Institut von Sarajevo, die immer noch andauernde öffentliche Vernichtung “anti-kommunistischer” Literatur durch die Volksrepublik China, die komplette Auslöschung einer unschätzbaren persischen Sammlung durch die Taliban sind wohl nur die bekanntesten Beispiele für Bücherverbrennungen der Moderne.
Der Vollständigkeit halber, wobei dies keine erschöpfende Aufzählung ist, sei noch die Verbrennung eines Exemplars von Dan Brown´s “Sakrileg” durch zwei italienische Politiker im Jahre 2006 erwähnt. Grund: Die Verteidigung Jesu, weil das Buch die Behaupt aufstellt, dass Maria Magdalena mit Jesus verheiratet war und die beiden sogar Kinder gezeugt haben. Abschließen möchte ich mit dem amerikanischen Prediger, zumindest bezeichnet er sich als solchen, Terry Jones. Anlässlich des Jahrestages der Terroranschläge vom 11. September kündigte er an, 200 Exemplare des Koran verbrennen zu wollen. Erst auf vielfachen internationalen Protest ließ der Fanatiker seinen Plan fallen.
Doch wollen wir diese dunklen Kapitel, welche sich fast beliebig fortsetzen ließen, nun schließen und uns der Gegenwart, einer anderen Gegenwart, zuwenden. Ihrer Zukunft, sich den eigenen Traum von der eigenen Publikation, vom selbst verfassten und mithilfe des Wagner-Verlages veröffentlichten Buches zuwenden.
4. Der Wagner-Verlag: Bücher von Menschen für Menschen
Ein Buch ist das Sprachrohr der eigenen Gedanken, Anschauungen, Gefühle und Erinnerungen. Ein Buch ist das Lebendigwerden des Erlebten und Festhalten der Vergangenheit. Ein Buch zu schreiben bedeutet Reproduzieren, Fabulieren, Aufarbeiten und Entwickeln. Doch in erster Linie sollen Bücher, ob nun gelesen oder sogar selbst verfasst, Freude bereiten. Egal, ob dabei die Lust am Entdecken im Vordergrund steht oder der Drang, sich weiterzubilden. Für die einen bedeuten Bücher Urlaubslektüre, Freizeitvergnügen und kurzweiligen Zeitvertreib, für andere wiederum stehen Bücher als Synonym für berufliches Vorwärtsstreben, Möglichkeit einer neuen beruflichen Zukunft oder ganz einfach für die Erfüllung eines Traumes. Doch all diesen Intentionen liegt eine Gemeinsamkeit zugrunde. Unveröffentlicht bleiben Bücher stumme Zeitzeugen, sprachlose Ungereimtheiten und ungehörte Satzkonstruktionen.
Ich könnte, was eigentlich meine Aufgabe wäre, Sie noch mit weit mehr Wortspielereien und weiteren verbalen Verstrickungen und Verschachtelungen von den Vorzügen
und Vorteilen des Wagner-Verlages zu überzeugen versuchen. Aber desto länger ich schreibe, umso weniger werden Sie die eigene Initiative ergreifen. Seien Sie spontan, nehmen Sie, im wortwörtlichen Sinn, das Heft in die eigene Hand und folgen Sie einfach sich selbst.
Der Wagner-Verlag: Bücher von Menschen für Menschen.
Salzkammergut in Angst und Schrecken
