Spieleabend mit Herrn Guttenberg
Freizeitgestaltung von Paul Bögle
Wie bereits berichtet, komme ich gerade aus Costa Rica zurück und was muss ich lesen? Einige meiner LieblingsministerInnen im deutschsprachigen Raum stehen ungebührlich in den Schlagzeilen, ohne dass ich meinen eigenen Senf dazugeben konnte. Schaue ich ganz unverfänglich über die Grenzen Österreichs ins benachbarte Deutschland, wird doch tatsächlich der bisher so hochgelobte Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, seines Zeichens promovierter Doktor mit Auszeichnung und nebenbei Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland, mit Plagiatsvorwürfen torpediert.
Stellen Sie sich vor: Da schießen die Medien auf den CSU-Feschak und obersten Heerführer und rufen sogar eine Plattform namens GuttenPlag Wiki ins Leben und alles wegen ein paar lächerlicher “vergessener” Fußnoten. Deshalb möchte ich mit dem höchsten Verteidiger der Bundesrepublik Deutschland gerne einen Abend ”Schiffe versenken” spielen. Denn wem das Wasser so bis zum Hals steht, der sollte doch bestens geeignet sein, als menschlicher Torpedo zu funktionieren. Und deshalb habe ich ganz zufällig ein neues Spiel entwickelt. Nun gut nicht ganz neu und vielleicht auch nicht so zu 100 Prozent meine eigene Idee, aber wer will es schon so genau mit fremdem Gedankengut nehmen.
<– Fussnote: Wer diese ominöse Firma Schmidt ist, weiss ich nicht genau. Möglich, dass sie irgendwie an der Entwicklung von “Schiffe versenken” beteiligt waren.


Na Mensch da will ich doch gleich mitspielen. Ist ja im moment auch einfacher auf jemand einzudreschen als zu ihm zu halten. Was hat er denn letztlich schon schlimmes getan, außer sich eben dumm wie viele andere zu verhalten. Könnte wohl schlimmer sein.
Kommentar von Vanessa — 22.2.2011 @ 10:03
Richtig, liebe Vanessa. Er hat sich dumm wie viele andere verhalten. Aber im Gegensatz “zu den vielen anderen” repräsentiert er immerhin eine Position im politischen und damit verbundenen öffentlichen Leben, deren Erlangung wohl auch mit bestimmten Prämissen verbunden ist. Und eine davon ist meines Erachtens die damit verbundene Glaubwürdigkeit, welche ein solch wichtiges Amt mit sich bringt. Wenn wir den Faden nun weiter spinnen und in die Vergangenheit zurückblicken, dürfen wir wohl davon ausgehen, dass Herr Guttenberg seine politische Karriere auch diesem Titel zu verdanken hat, denn viele seiner WählerInnen haben ihm ihre Stimme wohl auch und gerade der Tatsache wegen gegeben, weil er durch das Voranstellen eines akademischen Titels auch ein gewisses Maß an Intelligenz und Seriosität ausstrahlt. Dass diese beiden Eigenschaften nicht zwingend mit einem Doktortitel verbunden sind, bleibt jetzt einmal außer Frage gestellt. Wenn ich aber in unser schönes kleines Österreich blicke, wo sich Titelsucht geradezu zu einer Manie entwickelt hat und jeder Taxifahrer einen Menschen nur noch dann per “Sie” anredet, wenn dieses Wesen mindestens mit “cum laude” durchs Leben spaziert und diese “Gottesfürchtigkeit” über unsere Landesgrenzen hinweg führe, dann zeigt sich, dass Blenden eine Kunst ist, welche gelernt sein will. Und aus diesem Grunde muss es einem denkenden Menschen auch gestattet sein, seine eigene Meinung über solche Mißstände kundzutun. Dies hat weder mit “eindreschen” oder im Gegensatz dazu mit “zu ihm halten” zu tun, sondern spiegelt einfach nur eine kleine Facette unseres allgemeingültigen Regelwerkes gesellschaftlicher Konventionen wider. Natürlich könnte Herr Guttenberg “viel Schlimmeres” getan haben als per Copy und Paste sich die Erlangung eines so sehnsüchtig gewünschten Titels zu verschaffen. Und, um nun zu einem in Deinen Augen hoffentlich versöhnlichen Ende zu kommen, sei noch festgehalten, dass er trotz aller derzeitgen Diskussionen trotzdem ein erfrischendes Licht am ansonsten sehr finsteren politischen Himmel voller Dunkelziffern und Schattenwesen darstellt. Ob nun mit oder ohne Titel. Aber hier in Österreich hatten wir mit dem ehemaligen Finanzminister Grasser auch eine ähnliche Lichtgestalt. Und was daraus geworden ist, können wir tagtäglich in den Medien lesen und sehen, wobei ich ausdrücklich keinerlei Parallelen zum deutschen Verteidigungsminister ziehen will. Einzig und allein vielleicht die Tatsache, dass sich das heutige politische Handwerk zu einem Teil einer riesengroßen Show entwickelt hat, deren Teil wir selbst alle sind und deren schillernde Protagonisten wir allzu gerne ohne weiteres Hinterfragen anerkennen.
Kommentar von Paul Boegle — 22.2.2011 @ 16:01