
In Gesellschaft saufen hat was!
Ich sage Ihnen jetzt rundheraus, wo mein Problem liegt. Ich bin ein sogenannter MoF. Sagt zumindest meine Tochter. Und da liegt sie möglicherweise nicht einmal so falsch. Sie wissen nicht, was ein MoF ist? Ganz einfach: Ein Mensch ohne Freunde. Ja, ich bin ein MoF und natürlich bin ich stolz darauf, stehe dazu und freue mich jden Tag aufs Neue über mein MoF-Dasein. Die eine oder der andere LeserIn wird sich insgeheim denken: “Bleibt ihm schließlich nichts anderes übrig. Recht geschieht ihm, diesem MoF!” Nun, die meiste Zeit zumindest erfreue ich mich an dieser Situation, da gebe ich Ihnen recht. Wissen Sie, so ein Mensch wie ich braucht keine Freunde, denn der genügt sich selbst, der hat sein Spiegelbild und dieses brüllt jeden Tag: “Willkommen in der Welt der Solotänzer. Und jetzt gehen wir einen heben! Nur ich und ich. Sozusagen auf Du und Du.” Ich darf Sie daran erinnern, dass ich Sie bereits vor mehr als einem Jahr schon einmal mit einer Kurzgeschichte zur zweigeteilten Problemstellung meines Innersten belästigt habe (Das Ego und Alter Ego des Paul Bögle).
Unbearbeitete Bildquelle: Frau im Spiegel
Dann packe ich mein gläsernes Konterfei, löse zwei Fahrscheine, setze mich in die Schnellbahn und wir gehen saufen. Also, mein Spiegelbild und ich. Woher, glauben Sie eigentlich, kommt der Begriff “Spiegeltrinker“? Richtig, das sind Menschen, welche ihr eigenes Ich unter den Tisch saufen können. Sagenhaft, phänomenal, gigantisch, finden Sie nicht? Das Problem bei der ganzen Sache ist allerdings ein großes. Sie können nur solange mit sich selber saufen, bis Sie eben Ihr eigenes Spiegelbild nicht mehr erkennen können. Tatsächlich, das schöne Trinkgelage mit sich selbst hat spätestens dann ein Ende, wenn Ihr gläserner Blick so durchsichtig ist, dass Sie vor lauter Scherben nur noch die Welt in Trümmern liegen sehen. Und diese in den meisten Fällen sogar doppelt. Oder wenn es dementsprechend unter dem Tisch liegt, also Ihr Speigelbild. Paradox, nicht? Sie saufen sich selbst unter den Tisch. Und wenn Sie unten liegen, haben Sie niemanden mehr, der mit Ihnen säuft, obwohl Sie ja eigentlich schon im Koma liegen und der Meinung sind, dass ein Gläschen noch Platz hätte. Schade. Finde ich auch.
Aber diesem gravierenden Problem hat sich nun endlich jemand angenommen, sozusagen erbarmt. Wie wäre es, wenn Sie sich eine Trinkschwester oder einen Saufkumpan einfach mieten? Klasse. Finde ich auch. Stellen Sie sich das vor: Erst saufen Sie sich selbst unter den Tisch. Und wenn Sie unten liegen, dann stehen Sie auf, obwohl Sie eigentlich nicht mehr stehen können und liegen bleiben sollten und mieten sich einen, der mit Ihnen weitersäuft, obwohl Sie eigentlich gar nichts mehr vertragen. Sachen gibt´s, die sind so schön und abstrus, dass sie schon wieder zu mystischem Denken einladen.
Und so hat sich also eine findige Firma in der ukrainischen Stadt Dniprodserschynsk, sprechen Sie den Namen einmal nüchtern aus, gelingt Ihnen nie, darauf wette ich einen Liter Irgendwas mit wenigstens 40 Promille, darauf spezialisiert, diesem Bedürfnis nachzukommen. “Kind Fairy” heißt das Unternehmen, welches Ihnen kompetente LallpartnerInnen zur Seite stellt oder in weiterer Folge vielleicht sogar neben Sie legt. Getreu dem Motto: Zuviel Alkohol schadet Ihrer Gesundheit. Also lasst uns zu zweit saufen und die Leber lebt gesünder.
Die Idee wird von Julia Pejewa, der Donna Promilla der feuchtfröhlichen Angelegenheit, dann mit den folgenden markigen Worten angepriesen: “Es ist ein netter Gefährte, der einen langweiligen Abend aufheitern kann.” Doch wer glaubt, die weiblichen und männlichen GenossInnen könnten nur schwankenderweise Gesellschaft, Trost und Alkohol spenden, der irrt. “Sie können Gitarre spielen, singen oder Gedichte aufsagen.” Ja, ist denn das die Möglichkeit? Ich kann weder nüchtern Blockflöte spielen und außer “Alle meine Entchen” beschränkt sich mein Repertoire auf “Stille Nacht, heilige Nacht”, was sich zweifellos auch reimt. Und für 14 Euro Gebühr pro Abend und Begleiter bekomme ich einen kulturellen Kapazunder an die Hand, welcher mich einerseits königlich unterhält und andererseits auch bis zum vollendeten Exzess begleitet.
Und weil ich weiss, was meine LeserInnen von mir erwarten, hat sich “Freie Zeit“, der Blog für unbegrenzten Alkoholkonsum und gereimte Ungereimtheiten aufgemacht, Ihnen erste BewerberInnen vorzustellen, welche Ihnen möglicherweise bei Ihrem Ziel, die 3-Promille-Grenze ungestreift, aber wankend in möglichst kurzer Zeit zu erreichen, Hilfestellung leisten können. Selbstredend oder selbstlallend stehen InteressentInnen natürlich auch alle Wege und Kneipen offen, aus einem latenten Hobby ein
bodenständiges zweites Standbein zu machen. Wenn Ihre ArbeitgeberInnen Sie strafenden Blickes würdigen und maßregelnd zu Ihnen sagen ”Alkohol am Arbeitsplatz?”, können Sie freudestrahlend und guten Gewissens antworten “Heute schon genug, danke!”
Bildquelle: Jolie.de
Im Bild links sehen wir die Bewerberin Katie Price während ihres Bewerbungsgesprächs bei Kind Fairy. Julia Pejewa war von der jungen Dame über alle Maßen angetan und so begeistert, dass sie ihr einen 5,8-Promille Vertrag auf Lebenszeit anbot. Eventuelle InteressentInnen muss ich allerdings enttäuschen: Frau Price ist mit dem heutigen Tag an über Jahre bereits ausgenüchtert ausgebucht.
Im nächsten Bild sehen wir einen Herrn, welcher sich unter dem Namen Mel Gibson vorstellte. Zumindest geht dies aus seinen Bewerbungsunterlagen hervor. “Er hat ein riesiges Potential” sagte Frau Pejewa nach den ersten zwei Litern. Doch bedauernd fügte sie hinzu: “Aber leider entspricht er nicht ganz unseren Erwartungen. Er kann leider nicht singen oder Gitarre spielen. Wenn er zumindest schauspielern könnte, hätten wir großartige Einsatzbereiche. Was hätte aus diesem Talent alles werden können. So einen Trinker findet man nicht alle Tage. Da kommt so richtig Endzeitstimmung auf. Schade drum!”
Bildquelle: zanzaa
Zum dritten Bewerber fiel der Chefin nur ein Wort ein: “катастрофа“. Was das heißt? Schlicht und einfach “Desaster“. “So eine gottserbärmliche Performance hab ich noch nie gehört. Der hätte wirklich zum Saufen anfangen sollen. Jammerschade, was uns da entgangen ist.”
Und ich? Ich bin immer noch ein MoF.