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10.12.2010

Liu Xiaobo: (K)ein Platz in der ersten Reihe

Abgelegt unter: Zeit-los — Paul Boegle @ 21:46

China: Im Namen des Volkes

Volksrepublik China, so lautet der offizielle Name jenes riesigen Landes in Fernost. Volksrepublik China, ein euphemistischer Begriff für Diktatur, Unterdrückung, Verwahrlosung der Menschenrechte, Verweigerung der Menschenwürde, und nicht zuletzt einen Nobelpreisträger, dessen einziges Verbrechen die Anprangerung dieser Zustände und die Verteidigung der Meinungsfreiheit ist.

Charta 08: Liu Xiaobo und andere Dissidenten protestieren gegen die Parteidiktatur in China.Am 10. Dezember 2010 wurde einem Mann namens Liu Xiaobo in Oslo der Friedensnobelpreis für etwas verliehen, was in Demokratien eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist oder zumindest sein sollte: Die Äußerung der eigenen Meinung. Jener Liu Xiaobo, welcher am 9. Dezember 2008 zusammen mit hunderten anderen chinesischen Dissidenten die sogenannte Charta 08 veröffentlichte, ein Reformplan zur Beendigung der chinesischen Parteidiktatur.

Das gesamte Dokument in deutscher und chinesischer Sprache ist auf FAZ.Net unter “Die Charta 08” abgedruckt.

Untergrabung der Staatsgewalt” lautete die Anklage gegen den Menschenrechtler. Ein Jahr später wurde Liu für dieses Verbrechen der freien Meinungsäußerung zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Und nun, zwei Jahre nach seiner Inhaftierung wird ihm der Friedensnobelpreis verliehen. Nein, nicht Liu persönlich, denn China kann es sich nicht leisten, einen wie ihn, welcher für seine Überzeugungen einsteht, trotz weltweiter Proteste zu enthaften. Denn er könnte jene Worte wiederholen, welche er während seiner Rede im Gerichtssaal sprach. China kann es sich nicht leisten, einen aus dem Volk im Namen des Volkes sprechen zu lassen.

Dann doch lieber ein leerer Sessel in Oslo und ein volles Gefängnis in Peking und anderen Städten derFriedensnobelpreis 2010: Ein Preis ohne Preisträger. chinesischen Volksdemokratie. Denn dort kann niemand jene Worte hören, welche bis heute nachhallen. Deshalb noch einmal die wichtigsten Punkte seiner am 23. Dezember 2009 gehaltenen Erklärung am Tag seiner Verurteilung, welche von der norwegischen Schauspielerin Liv Ullmann während der Preisverleihung vorgelesen wurde.

“… Ich habe keine Feinde und keinen Hass. Keiner der Polizisten, die mich beobachtet, verhaftet und verhört haben, keiner der Staatsanwälte, die mich angeklagt haben, und keiner der Richter, die mich verurteilt haben, sind meine Feinde. … Es gibt keine Macht, die das Streben der Menschen nach Freiheit stoppen kann, und China wird letztendlich eine Nation werden, wo das Recht herrscht, wo Menschenrechte an höchster Stelle herrschen. … Ich hoffe, dass ich das letzte Opfer der endlosen geistigen Inquisition Chinas sein werde und dass von jetzt an niemand mehr wegen seiner Äußerungen beschuldigt wird. Meinungsfreiheit ist die Grundlage der Menschenrechte, die Quelle der Menschlichkeit und die Mutter der Wahrheit. Die Meinungsfreiheit zu strangulieren, tritt die Menschenrechte mit Füßen, erdrosselt die Menschlichkeit und unterdrückt die Wahrheit.”    

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