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22.9.2010

Totschlagargumente - Killerphrasen zum Totlachen

Abgelegt unter: Zeit-los — Paul Boegle @ 18:30

Leere Hülle in glänzender sprachlicher Verpackung

Sie haben es sicherlich schon bemerkt: “Das alles macht doch eigentlich überhaupt keinen Sinn!”.  Noch bevor ich Ihnen nun den Unterschied zwischen einem Totschlagargument und einer Killerphrase erkäre, sage ich lieber gleich im Brustton der vollsten Überzeugung: “Das würde jetzt wirklich den Rahmen sprengen!” Und glauben Sie mir, ich weiss, von was ich rede. Denn wie Sie aus langjähriger Erfahrung wissen, gibt mir wieder einmal der Erfolg recht. Schließlich lebe ich schon immer nach der Devise: “Wo gehobelt wird, da fallen Späne!”

Und ich werde Ihnen noch etwas sagen, sozusagen im Vorbeigehen: “Glauben Sie nicht alles, was Sie über Totschlagargumente oder Killerphrasen hören oder gehört zu haben glauben, besonders nicht von anderen. Sie wissen ja: “Schwarze Schafe gibt es überall!” Wissen Sie, ich sage mir in solch einem Fall immer, dass es absolut keinen Sinn macht, mit solchen horizontal begrenzten Menschen zu diskutieren, im Gegensatz zu Ihnen natürlich. Weil, bei näherer Betrachtung, bei Ihnen bin ich mir sicher, dass Sie ein vernünftiger Mensch sind und deshalb auch wissen, dass eben jeder vernünftige Mensch das auch weiss. Bei Ihnen hatte ich gleich das Gefühl, dass Sie Äpfel mit Birnen niemals vergleichen. Und ganz ehrlich, bleiben wir doch auf dem Teppich, der gesunde Menschenverstand sagt einem sofort, dass wir das immer schon so gemacht haben. Und warum haben wir das immer schon so gemacht? Richtig, weil es sich ganz einfach bewährt hat!

Sie sehen bzw. Sie sehen es im Moment noch nicht. Aber warten Sie, wenn Sie erst einmal so alt wie ich sind, werden Sie das genauso sehen, da bin ich mir sicher. Aber natürlich habe ich auch den unschätzbaren Vorteil, dass mir der Erfolg recht gibt. Außerdem ist die Tatsache doch allgemein bekannt, da brauchen wir gar nicht drüber diskutieren und schon gar nicht streiten. Wissen Sie, wir sind diesbezüglich Gott-ist-tot Gott-sei-dank einer Meinung, denn Glauben ist, seien wir uns doch ehrlich, nur etwas für die Kirche. Natürlich können Sie darauf entgegnen: “Die Wege des Herrn sind unergründlich!”, aber bei aller Liebe gibt es doch Wichtigeres als jene ausgetretenen Pfade.

Aber lassen wir das lieber mit dieser Glaubensfrage. Wir wollen uns doch nicht die Finger verbrennen. Ich bin ganz einfach der Meinung, dass im Moment noch nicht die Zeit reif ist für solche Grundsatzfragen, wie wir Sie gegenwärtig führen. Da könnte ja jeder kommen und wollen, aber wir sind nicht zum Reden gekommen. Das läuft so nicht! Weder jetzt noch in Zukunft. Und ausserdem diskutieren wir sowieso nur um des Kaisers Bart, deshalb wird dies ja wohl niemand in Frage stellen. Manchmal habe ich das Gefühl, ich werde nicht verstanden. Aber ich sage Ihnen etwas. Mit dieser Argumentation kommen Sie bei mir nicht durch, allerhöchstens über meine Leiche. Das wäre ja noch schöner. Wo kommen wir denn da hin. Manche Leute haben wirklich Sorgen. Wirklich, Ihre Sorgen möchte ich haben.

Wie Sie sehen, habe ich bereits im Vorfeld den festen Vorsatz gefasst, jede Diskussion im Keim zu ersticken. Und was wäre dabei nützlicher als die Verwendung dieser bewährten Rezeptur mit dem martialischen Namen Totschlagargument. Killerphrasen, ein von Charles Clarke aus dem englischen “killer phrase” eingedeutschter Begriff, besitzen zwar eine ähnlich vernichtende Wirkung, zu den kleinen, aber doch sehr fein gesponnenen Unterschiede und Merkmale darf ich dabei auf die Zusammenfassung von Angelika Mruk-Badiane Grundlagen der Kommunikation (5) verweisen.

13.9.2010

Schritt um Schritt auf Stein auf Stein auf Schritt

Abgelegt unter: Zeit-Geschichten — Paul Boegle @ 19:14


Ich sah einen Mann. Ich sah ihn gehen, er ging unnatürlich im Gehen, während ich sah, wie er ging. Ich sah ihn gehen, am Abend, im Herbst, es war bereits dunkel. Er ging über die Brücke, schwamm in der kühlen Luft auf mich zu, schwamm in der kühlen Luft über die Brücke. Wenig Wasser floss unterhalb, Heraklit floss unter unseren Füssen, schwamm in anderer Richtung.

Ich sah einen Mann, nicht älter als 35 Jahre, höchstens 36, 37, 38, nicht älter, vielleicht 32, 33, 34 Jahre, vielleicht auch jünger. Er schwamm über die Brücke, ich sah ihn auf mich zuschwimmen, er schwamm, ohne die Arme zu bewegen. Seine Bewegung war Schwimmen, trocken setzte er Schritt um Schritt auf Stein auf Stein auf Schritt auf Stein. Sein Gesicht wurde deutlicher, am Abend, in der Nacht, im nächtlichen Herbst. Ich sah seine Schritte, zählte leise mit, sah Schritt um Schritt auf mich zukommen, sah den trockenen Schwimmer im Herbst. Seine Schritte waren still, pochten polternd auf das trockenen Kopfsteinpflasterwasser, ohne Spuren zu hinterlassen.

Ich sah einen Mann, dunkel sah ich sein Gesicht, sah seinen Bart im nächtlichen Herbst. Ich sah einen Mann, der mich nicht mehr sah. Ich sah ihn sehen, wie er sah, ohne zu sehen. Sein Blick stand auf dem Kopfstein, klebte unter Schritt um Schritt auf Stein auf Stein unter Schritt auf Stein. Ich sah sein Spiegelbild, sah einen Mann mit Bart auf dem Kopfsteinpflasterspiegel, wie er ging, über Stein nach Stein.

Ich sah einen Mann, sah seinen versenkt gesenkten nicht sehenden Blick. Ich sah seinen Blick, im Herbst, bei Nacht, es war kühl. Sein Blick streifte vor ihm her, blickte Meter um Meter auf Stein auf Stein Schritt um Schritt vor ihm her. Sah, was der Mann nicht mehr sah. Ich sah seinen Blick, den Blick eines Mannes mit Bart, dem er folgte, Meter um Meter, ein steinerner Blick schritt Schritt für Schritt durch sein Spiegelbild, welches er achtlos von sich warf.

Ich sah einen Mann, sah den Schatten eines herbstlichen nächtlichen Mannes. Sein Blick sah nach unten, suchte die Tiefen der Steine. Ich sah seinen wandernden Blick, wandernd zwischen den steinernen Fugen. Seine Schritte folgten seinem Blick, Schritt um Schritt auf Blick auf Blick auf Stein auf Blick. Mit Bedacht wählte er sein Ziel, setzte Schritt auf Schritt zwischen die scharfen schwarzen Fugen des nächtlichen herbstlichen Kopfsteinpflasters.

Ich sah einen Mann. Nie traf er eine jener herbstlichen Fugen. Nie berührte er die schwarzen länglich genuteten Schatten. Sein Blick sah den Stein, sein Schritt sah den Blick. Ich sah seinen Blick, hörte seinen Schritt, pochend polternd, Meter um Meter, Stein um Stein, Schritt um Schritt. Unsere Blicke sahen einander, begegneten sich auf gleicher Höhe. Ich sah seinen Blick, er sah nach unten, sah durch den Spiegel hindurch, blickte tiefer. Heraklit war ertrunken.    

12.9.2010

Gegen den Linkgeiz: Lösungen gegen NoFollow

Abgelegt unter: Zeit-los — Paul Boegle @ 22:41


Qualität und Quantität und der DoFollow ist Dein!

Ich muss nun doch noch einmal zurückkommen auf meinen Artikel “Deutschsprachige Blogosphäre - nicht barrierefrei“. Aus dem einfachen und plausiblen Grund: Ich predige Wasser und trinke selbst Wein. Aus diesem Grund habe ich mögliche Lösungswege gesucht, diesem Problem in Zukunft aus dem Weg zu gehen, ohne aber den unzähligen Spam-Kommentaren Tür und Tor zu öffnen.

Bisher hielt auch ich mich immer bedeckt, wenn es um die Vergabe des DoFollow-Privilegs an Gastkommentatoren ging. Ich sehe diese Praktiken der Verbreitung nichtssagender belangloser unbedeutender und vor allem sinnloser elektronischer Müllhalden immer noch mit dem kritischen Blick des schreibenden Bloggers, welcher sich nur dann ausserhalb seiner vier virtuellen Wände zu Wort meldet, wenn sich der eigene Kommentar nahtlos in die Gedankengänge, Ideen und Inhalte des zu kommentierenden Artikels einfügt.

Andererseits kann ich jedoch nicht für eine offene Bloggerlandschaft plädieren, ohne diesem Grundsatz auch mit gutem Beispiel selbst voranzugehen. Doch wie diese Misere und Diskrepanz dieser NoFollow DoFollow Diskussion entkommen? Ein vernünftiger Konsens muss her, ein goldener Mittelweg, wenn es denn diesen überhaupt gibt, zwischen Grenzziehung und Öffnung der sorgsam gehüteten virtuellen Barrieren.

Einen möglichen Lösungsansatz habe ich nun im Artikel Do Follow für Kommentare - 140 Follow - Zähler gegen Linkgeiz gefunden. Das 140 Follow Plugin zählt dabei die Zeichen der Kommentare. Ist eine bestimmte Grenze erreicht, schaltet das Plugin den NoFollow auf einen DoFollow-Backlink um. Eine gute Idee, grundsätzlich betrachtet. Mir ist allerdings schon beim Lesen der Gedanke gekommen, dass auch dieses Plugin zu umgehen ist. Ich schreibe also den einfachen Satz “Gute Idee ” und kopiere diesen Satz sooft in das Kommentarfeld, bis ich meine 200 Zeihen erreicht habe. Sollte dieser von mir so kreativ gestaltete Kommentar nun ohne weitere Prüfung freigeschaltet werden, freue ich mich tierisch und schon habe ich einen Backlink mehr.

Lieber Bruno, ich denke natürlich nicht, dass Du Deine so gestalteten Kommentare, sozusagen kommentarlos und ungeprüft, freigibst. Aber die Phantasie des Menschen ist oftmals direkt aus der Hölle entsprungen und kehrt nach getaner Arbeit auch wieder unverzüglich dorthin zurück (siehe nur die unsägliche Wahlpropaganda von H.C. Strache mit dem vielsagenden Titel “Mehr Mut für unser Wiener Blut”).

Allerdings werde ich mir die Idee zunutze machen, allerdings mit der Einschränkung, dass ich je nach veröffentlichtem Kommentar von Fall zu Fall und vor allem manuell über NoFollow oder DoFollow entscheide. Natürlich bin ich mir sehr wohl der Gefahr und der Kritik bewusst, dass ich mit dem Vorwurf der Zensierung konfrontiert werde und mich dieser Vorhaltung ausgesetzt sehe.

Diesen Kritikern möchte ich aber entgegenhalten, dass ich weder in den Inhalt der Kommentare eingreifen werde noch irgendwelche Textpassagen hinzufüge oder weglasse und mich so dem Vorwurf der Manipulation aussetze. Aber es muss mir zumindest das Recht zugestanden werden, selbst über NoFollow und DoFollow zu entscheiden. Ich sehe hierbei einen weiteren Vorteil für dieses Anreizsystem. Besucher werden dazu angehalten, durch sinnvolle Beiträge und konstruktive Statements, wobei ich hierzu auch kritische Bemerkungen zähle, den von mir veröffentlichten Beiträgen Struktur und inhaltliche Tiefe zu verleihen. In diesem Zusammenhang darf ich auch dazu aufrufen, dass Gastbeiträge, sollten sie den Kriterien meines Weblogs entsprechen, gerne gesehen sind.

Und natürlich ist der Artikel von Bruno Schelig als DoFollow gekennzeichnet, quasi als kleine Wiedergutmachung und Entschuldigung.        

11.9.2010

Deutschsprachige Blogosphäre - nicht barrierefrei

Abgelegt unter: Zeit-los — Paul Boegle @ 23:22


Land unter für gute deutschsprachige Blogs

Als aktiver Blogger mache ich mir meine Gedanken. Ich bin immer auf der Suche nach interessanten Ideen, Themen und Schlagzeilen. Aktuelle Meldungen müssen möglichst schnell und vor allem vor den anderen Bloggern aufgearbeitet und aufbereitet und ins Netz gestellt werden. Die LeserInnen müssen bei Laune gehalten werden, sollen mich und meinen Blog wieder besuchen. Ich möchte das Vertrauen der Leserschaft gewinnen, will zum Wiederkommen bewegen, zum erneuten Besuch einladen.

Ein Blogger ist eigentlich nichts anderes als ein moderner Gladiator, welcher zur Unterhaltung seines Publikums möglichst gut, aber auch sinnvoll beitragen soll. Blogger sind virtuelle Kämpfer in einer rasanten, in ewigem Aufruhr und Umbruch befindlichen irrealen, surrealen, nicht greifbaren Welt namens Internet. Aber jenes Diktat dieses sich Ewig-Behaupten-müssens fordert seinen Tribut. Ich verliere oftmals und immer öfter den Überblick, nutze festgefahrene altbewährte Strukturen und Wege, ohne auf Neues einzugehen oder mich von Neuem inspirieren zu lassen. Meine Blogroll fristet unabänderlich und Tag für Tag ihr erprobtes Dasein, bestens bekannte virtuelle Nachbarn hausen neben mir, ohne dass ich den Blick für Neuankömmlinge frei habe.

Immer wieder schaue ich auf ein Schwätzchen bei den alten Bekannten vorbei, schnüffle in den neuesten Artikeln nach wertvollem und interessantem Material für den eigenen Blogger-Hausgebrauch, stöbere auf den grossen Online-Portalen und Internet-Ablegern deutsch- und englischsprachiger Tageszeitungen und folge immer und immer wieder meinen ausgetretenen Pfaden, den Blick weder links noch rechts abseits der breiten immateriellen Strasse Internet umherschweifen lassend.

Und so trifft der Eingangssatz “Die deutsche Blogosphäre verlinkt vorrangig auf Nachrichtenportale und führende US-Blogs. Aus nachvollziehbaren Gründen.” des Artikels Wie ein neues Linkverhalten die Blogosphäre beleben könnte auch bei näherer Betrachtung auf mich und meine beiden Blogs zu. Doch warum tue ich dies wider besseren Wissens und Gewissens? Marcel Weiß von neunetz.com und Martin Weigert von netzwertig.com (Autor des im letzten Satz erwähnten Artikels) bieten eine relativ einfache, aber bei näherer Betrachtung rational schwer verständliche Lösung an.

Das Verlinken auf die Schwergewichte der virtuellen Informationsquellen hat dreierlei Gründe. Zum einen, und hier sehe auch ich den grössten Vorteil von FAZ.NET, Spiegel Online, derStandard.at und anderen Hochkarätern der deutschsprachigen Medienlandschaft, liegt mit Sicherheit in der Aktualität der aktuellen Ereignisse und des Tagesgeschehens. Gegen diese Ressourcen hinsichtlich Journalisten, Informationsquellen und Reichweite des Netzwerkes kommen kleine Anbieter und Medien-Plattformen nicht an. Wer auf weiterführende Informationen zu eigenen Recherchen angewiesen ist, kommt nicht daran vorbei, sich diesen Plattformen zu verschliessen. Selbst ein Verlinken auf eine gefundene “geringwertigere” Quelle macht dabei nicht viel Sinn, denn immer steht der Marktführer und Produzent im Hintergrund.

Der zweite Grund, die Gewohnheit, welchen Martin Weigert ins Feld führt, ist dagegen in meinen Augen oftmals nur aufgrund der bereits beschriebenen festgefahrenen Strukturen von Interesse und könnte nach meinem Dafürhalten am leichtesten geändert und verändert werden. Die Blogger wissen genau, was sie bekommen und sie vertrauen ihnen (Anm.: den Meldungen) bis zu einem gewissen Grad. Es ist selbstverständlich nicht möglich, hunderte andere Informationsquellen zu sondieren und zu durchforsten, aber gerade hier bieten sich mir als Informationssuchendem doch weitaus mehr Möglichkeiten, als es auf den Blick tatsächlich scheint. Denn gerade die Verschlagwortung publizierter Meldungen und die darin aufgeführten Fachbegriffe, Termini oder auch Namen haben mich selbst schon desöfteren auf die richtige und vor allem neue Spuren gebracht, welche ich nach Lektüre der Erstmeldung wahrscheinlich so außer Acht gelassen hätte. Allerdings darf ich dabei anführen, dass es dabei einer Liebe zur Recherche und einem antrainierten Sichten und letztendlich Verfolgen relevanter Details bedarf. Nicht immer führt dieses Spurensuchen zum gewünschten Ziel, oftmals bleibe auch ich in Sackgassen oder unüberschaubaren Winkeln stecken, aber mit jedem neu geschriebenen Artikel stellen sich neue Erfahrungen bezüglich der benutzten Techniken und Hilfsmittel ein.

Was mich jedoch im Laufe der Jahre mehr und mehr interessiert und in zunehmendem Maße sogar mit Besorgnis erfüllt, ist die Tatsache dieses Vertrauens in kolportierte Meldungen. Ich habe in einer mehrteiligen Artikelserie diese Macht des Mediums Internet, beginnend mit dem Streuen eines Gerüchtes (siehe Extraterrestrisches Leben entdeckt) über eine daran anschliessende siebenteilige Artikelserie (1.Teil: Das Internet - wahr, gelogen oder wahrgelogen? bis zum 7.Teil: Das Gerücht bei Vergil) sehr ausführlich und auch sehr kritisch beleuchtet und hinterfragt. Wer nur noch blind Twitter folgt, die ersten drei Suchergebnisse von Google verwendet und Facebook vertraut, wird meines Erachtens schnell an die Grenzen der Wahrheit stossen und diese Wahrhaftigkeit kommentarlos in sich aufnehmen, ja sogar weiterverbreiten und sich so zum Transporteur gewollter und vielfach lancierter Meldungen machen. Doch nicht nur das! Dieses bedingungslose Vertrauen und unsere blindwütige Gewohnheit, unser Gehorsam in die bindene Glaubhaftigkeit wiederholter, jedoch nicht hinterfragter und ungeprüfter Quellen, lässt uns in ein immer stärkeres Abhängigkeitsverhältnis zur Allmacht Internet gleiten. Wahr ist nicht, was dem Anspruch und Abgleich von Soll-Ist entspricht, sondern was sich möglichst erfolgreich reproduziert und wiederholt.   

Deutschsprachige Blogger sind bequeme Blogger. Martin Weigert umschreibt dies mit dem dritten Punkt Auffindbarkeit. Da ich jedoch der Meinung bin, dass das bereits beschriebene Kriterium Gewohnheit in enger Korrelation mit dieser mühelosen und auf dem silbernen Tablett präsentierten Auffindbarkeit von Informationen steht, die Zuhilfenahme oder besser gesagt Entscheidungshilfe der ersten Suchergebnisse von Google & Co als letztendliche Wahrheitsquelle sei hierbei als Indiz noch einmal explizit erwähnt, möchte ich diesen dritten Punkt nicht weiter ausführen. Allerdings gehe ich mit dem Lösungsansatz von Martin konform und praktiziere dies selbst auch schon seit längerem, nämlich Rivva als zusätzliche Inspiration zu nutzen.

Die deutschsprachige Bloggerlandschaft lebt, genau wie jede andere Blogosphäre dieser Welt, von gegenseitiger Verlinkung und Empfehlungen. Diese Gruppendynamik, denn BloggerInnen sollten entgegen meiner eingangs gewählten Formulierung “virtuelle KämpferInnen” in erster Linie eine altruistische Denkweise besitzen, zu erhöhen und dementsprechend auch effektiv für sich selbst zu nutzen, muss deshalb auch Sinn und Ziel jeder Bloggerin, jedes Bloggers sein. Die Zielsetzung, jede Woche einmal über einen wie auch immer gefundenen unbekannte Blog zu verlinken und diesem aus seiner Anonymität zu helfen, sehe ich deshalb auch als wegweisenden und einen von vielen zielführenden Ansatzpunkten.

Wie Martin schlussendlich richtig folgert, sind neue eingehende Links, Pingbacks und Retweets Ansporn für jede(n) NewcomerIn, aber auch altgediente BloggerInnen, seine freie Zeit, seine kostbare und wertvolle Freizeit, in die Pflege des eigenen Blogs zu stecken und über diesen Umweg dem eigenen Blog zu mehr Qualität zu verhelfen. So kann ich dementsprechend nur all meinen LeserInnen die Empfehlung aussprechen, sich aktiv am Informationsaustausch zu beteiligen. Wer also der Meinung ist, der eigene Blog bietet mir einen Mehrwert, der sei herzlich eingeladen, sich hier zu präsentieren und vorzustellen.

9.9.2010

Paul - hat mein Name Zukunft?

Abgelegt unter: Zeit ist Geld — Paul Boegle @ 16:30

Der Vorname: Nomen est omen

Wissen Sie, liebe LeserInnen, ich wollte schon immer jemanden finden, welchem ich die ganze Verantwortung für mein gründliches Versagen in die Schuhe schieben darf, kann und letztendlich konsequenterweise dieses auch mache. Sie haben sicherlich noch meine Biographie in Erinnerung? Dort habe ich bereits verlautbart, dass ich meine sehr verehrte Frau Mutter wegen Unfreiheitsberaubung verklage. Und jetzt habe ich endgültig die Bestätigung für mein desastriöses Leben erhalten. Ab heute muss ich mein Verhältnis zu Frau Mama vollkommen neu und vor allem meine Mutter-Kind-Beziehung völlig neu überdenken.

Ich habe die Online-Fragebogenerhebung von Astrid Kaiser von der Universität Oldenburg zur Vornamensforschung in die Finger bekommen (zum Fragebogen und der Interpretation der Ergebnisse selbst siehe Astrid Kaiser: Masterarbeit Noten-Vornamen) . Grundlage dieser Studie ist die Annahme bzw. die zu untersuchende Fragestellung, ob der Vorname eines Kindes bereits mit gewissen Vorurteilen und subjektiven Einstellungen der LehrerInnen behaftet ist. Assoziiert der Name Paul (war allerdings nicht Gegenstand der Untersuchung) also bei Frau Lehrerin und Herrn Lehrer schon im Vorfeld gewisse Fähigkeiten oder ein bestimmtes Verhalten, welches sich auf den von den Eltern mit auf den Lebensweg gegebenen Vornamen zurückführen lässt. Und daraus entsteht in weiterer Folge die Frage: Wenn dies der Fall ist, haben Kinder mit negativ besetzten Vornamen ungleich schlechterer Bildungschancen als jener Nachwuchs, dessen Vorname unbewusste Wahrnehmungen hervorruft? Siehe dazu auch idw: Ungleiche Bildungschancen schon durch Vornamen - Studie zu Vorurteilen und Vorannahmen von Lehrern oder FAZ.Net: Kevin bekommt schlechtere Noten.

Und wer nun glaubt, LehrerInnen erfüllen ihren pädagogischen Lehrauftrag ohne Vorurteile und im Sinne der Gleichbehandlung, der irrt laut Astrid Kaiser gewaltig. Die Auswertung von 500 Online-Fragebögen ergab, dass sehr wohl gewisse Erwartungshaltungen mit bestimmten Vornamen verbunden sind. Am deutlichsten veranschaulicht dies ein Kommentar, welcher sich auf einem der ausgewerteten Fragebogen fand: “Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose!”

Die Erziehungswissenschaftlerin stellt zukünftigen Eltern bei der Namenswahl ihrer Sprösslinge deshalb auch den folgenden (und folgenschweren) Rat an die Seite: Eltern mögen sich bei der Namensgebung nicht an TV-Helden und und Prominenten zu orientieren. Frau Kaiser begründet die Wahl “negativer” Vornamen damit, dass sich gerade Familien aus Unterschichten als fortschrittlich und modern darstellen wollen und sich deshalb bei der Wahl des Vornamens anhand von Kinohelden und anderen Prominenten, welche im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde sind, leiten lassen. 

Nun, da sich laut Studie die Vornamen bereits im Kindesalter auf die erfolgreiche oder eben versagensreiche Zukunft weitreichend auswirkt, gebe ich den phänomenalen Ratschlag, in Zukunft sein Kind, sollte es denn ein Mädchen sein, nur noch Katharina, Charlotte, Sophie, Hannah, Marie oder Emma zu nennen. Und wer männlichen Nachwuchs erwartet, ist mit Alexander, Maximilian, Jakob, Lukas, Nick oder Simon auf der sicheren Seite.

Wer allerdings bei den Mädchen zu Katharina, Charlotte, Sophie, Hannah, Marie oder Emma (oho, welch Überraschung!) und bei den Burschen zu Kevin, Maurice, Justin (ich wusste ja, Herr Timberlake hat schlechten Einfluss auf die Karriere), Cedric oder Marvin tendiert, hat bereits im Vorfeld verloren. Natürlich nicht persönlich, aber eben der hoffnungsvolle Nachwuchs.      

So kann ich mich dementsprechend der Meinung und dem Rat von Frau Kaiser nicht anschliessen. Vielmehr plädiere ich dafür, dass sich jene der Bildung und teilweise sicherlich auch der Erziehung unserer Schützlinge verantwortlichen Lehrkräfte einer neuen Objektivität überantworten sollten, welche nicht nach Gesichtspunkten positiver oder negativer Etikettierung funktionieren soll und darf. Meinungsfreiheit beinhaltet in meinen Augen auch die eigenständige Wahl der Namen für die eigenen Kinder und darf deshalb auch nicht durch eine mögliche Abwertung/Aufwertung gewisser Eigenschaften und damit implizierter Fähigkeiten und Fertigkeiten mit den damit verbundenen Vornamen beschnitten werden.

Was aber, um den Kreis zur Überschrift “Paul - hat mein Name Zukunft?” zu schliessen, ziehe ich für Lehren aus dieser Diskussion? Eigentlich nur die eine, aber wichtige Erkenntnis: Ich verklage meine liebe Frau Mama doch nicht, sondern danke ihr für den Namen “Paul”, auch wenn ”paulus” “klein” bedeutet. Aber Komplexe hatte ich schon immer. Und die waren riesengroß. Aber mit meiner Zukunft hat dies wenig zu tun. Doch dies ist wieder ein anderes Thema.

In diesem Sinne grüsst der Kleine heute besonders all jene, welche Katharina, Charlotte, Sophie, Hannah, Marie, Emma, Katharina, Charlotte, Sophie, Hannah, Marie, Emma, Alexander (z.B. der liebe Sohnemann), Maximilian, Jakob, Lukas, Nick, Simon, Kevin (natürlich auch Dich, lieber Neffe), Maurice, Justin, Cedric oder Marvin heissen.   

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