Schritt um Schritt auf Stein auf Stein auf Schritt
Ich sah einen Mann. Ich sah ihn gehen, er ging unnatürlich im Gehen, während ich sah, wie er ging. Ich sah ihn gehen, am Abend, im Herbst, es war bereits dunkel. Er ging über die Brücke, schwamm in der kühlen Luft auf mich zu, schwamm in der kühlen Luft über die Brücke. Wenig Wasser floss unterhalb, Heraklit floss unter unseren Füssen, schwamm in anderer Richtung.
Ich sah einen Mann, nicht älter als 35 Jahre, höchstens 36, 37, 38, nicht älter, vielleicht 32, 33, 34 Jahre, vielleicht auch jünger. Er schwamm über die Brücke, ich sah ihn auf mich zuschwimmen, er schwamm, ohne die Arme zu bewegen. Seine Bewegung war Schwimmen, trocken setzte er Schritt um Schritt auf Stein auf Stein auf Schritt auf Stein. Sein Gesicht wurde deutlicher, am Abend, in der Nacht, im nächtlichen Herbst. Ich sah seine Schritte, zählte leise mit, sah Schritt um Schritt auf mich zukommen, sah den trockenen Schwimmer im Herbst. Seine Schritte waren still, pochten polternd auf das trockenen Kopfsteinpflasterwasser, ohne Spuren zu hinterlassen.
Ich sah einen Mann, dunkel sah ich sein Gesicht, sah seinen Bart im nächtlichen Herbst. Ich sah einen Mann, der mich nicht mehr sah. Ich sah ihn sehen, wie er sah, ohne zu sehen. Sein Blick stand auf dem Kopfstein, klebte unter Schritt um Schritt auf Stein auf Stein unter Schritt auf Stein. Ich sah sein Spiegelbild, sah einen Mann mit Bart auf dem Kopfsteinpflasterspiegel, wie er ging, über Stein nach Stein.
Ich sah einen Mann, sah seinen versenkt gesenkten nicht sehenden Blick. Ich sah seinen Blick, im Herbst, bei Nacht, es war kühl. Sein Blick streifte vor ihm her, blickte Meter um Meter auf Stein auf Stein Schritt um Schritt vor ihm her. Sah, was der Mann nicht mehr sah. Ich sah seinen Blick, den Blick eines Mannes mit Bart, dem er folgte, Meter um Meter, ein steinerner Blick schritt Schritt für Schritt durch sein Spiegelbild, welches er achtlos von sich warf.
Ich sah einen Mann, sah den Schatten eines herbstlichen nächtlichen Mannes. Sein Blick sah nach unten, suchte die Tiefen der Steine. Ich sah seinen wandernden Blick, wandernd zwischen den steinernen Fugen. Seine Schritte folgten seinem Blick, Schritt um Schritt auf Blick auf Blick auf Stein auf Blick. Mit Bedacht wählte er sein Ziel, setzte Schritt auf Schritt zwischen die scharfen schwarzen Fugen des nächtlichen herbstlichen Kopfsteinpflasters.
Ich sah einen Mann. Nie traf er eine jener herbstlichen Fugen. Nie berührte er die schwarzen länglich genuteten Schatten. Sein Blick sah den Stein, sein Schritt sah den Blick. Ich sah seinen Blick, hörte seinen Schritt, pochend polternd, Meter um Meter, Stein um Stein, Schritt um Schritt. Unsere Blicke sahen einander, begegneten sich auf gleicher Höhe. Ich sah seinen Blick, er sah nach unten, sah durch den Spiegel hindurch, blickte tiefer. Heraklit war ertrunken.

