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11.9.2010

Deutschsprachige Blogosphäre - nicht barrierefrei

Abgelegt unter: Zeit-los — Paul Boegle @ 23:22


Land unter für gute deutschsprachige Blogs

Als aktiver Blogger mache ich mir meine Gedanken. Ich bin immer auf der Suche nach interessanten Ideen, Themen und Schlagzeilen. Aktuelle Meldungen müssen möglichst schnell und vor allem vor den anderen Bloggern aufgearbeitet und aufbereitet und ins Netz gestellt werden. Die LeserInnen müssen bei Laune gehalten werden, sollen mich und meinen Blog wieder besuchen. Ich möchte das Vertrauen der Leserschaft gewinnen, will zum Wiederkommen bewegen, zum erneuten Besuch einladen.

Ein Blogger ist eigentlich nichts anderes als ein moderner Gladiator, welcher zur Unterhaltung seines Publikums möglichst gut, aber auch sinnvoll beitragen soll. Blogger sind virtuelle Kämpfer in einer rasanten, in ewigem Aufruhr und Umbruch befindlichen irrealen, surrealen, nicht greifbaren Welt namens Internet. Aber jenes Diktat dieses sich Ewig-Behaupten-müssens fordert seinen Tribut. Ich verliere oftmals und immer öfter den Überblick, nutze festgefahrene altbewährte Strukturen und Wege, ohne auf Neues einzugehen oder mich von Neuem inspirieren zu lassen. Meine Blogroll fristet unabänderlich und Tag für Tag ihr erprobtes Dasein, bestens bekannte virtuelle Nachbarn hausen neben mir, ohne dass ich den Blick für Neuankömmlinge frei habe.

Immer wieder schaue ich auf ein Schwätzchen bei den alten Bekannten vorbei, schnüffle in den neuesten Artikeln nach wertvollem und interessantem Material für den eigenen Blogger-Hausgebrauch, stöbere auf den grossen Online-Portalen und Internet-Ablegern deutsch- und englischsprachiger Tageszeitungen und folge immer und immer wieder meinen ausgetretenen Pfaden, den Blick weder links noch rechts abseits der breiten immateriellen Strasse Internet umherschweifen lassend.

Und so trifft der Eingangssatz “Die deutsche Blogosphäre verlinkt vorrangig auf Nachrichtenportale und führende US-Blogs. Aus nachvollziehbaren Gründen.” des Artikels Wie ein neues Linkverhalten die Blogosphäre beleben könnte auch bei näherer Betrachtung auf mich und meine beiden Blogs zu. Doch warum tue ich dies wider besseren Wissens und Gewissens? Marcel Weiß von neunetz.com und Martin Weigert von netzwertig.com (Autor des im letzten Satz erwähnten Artikels) bieten eine relativ einfache, aber bei näherer Betrachtung rational schwer verständliche Lösung an.

Das Verlinken auf die Schwergewichte der virtuellen Informationsquellen hat dreierlei Gründe. Zum einen, und hier sehe auch ich den grössten Vorteil von FAZ.NET, Spiegel Online, derStandard.at und anderen Hochkarätern der deutschsprachigen Medienlandschaft, liegt mit Sicherheit in der Aktualität der aktuellen Ereignisse und des Tagesgeschehens. Gegen diese Ressourcen hinsichtlich Journalisten, Informationsquellen und Reichweite des Netzwerkes kommen kleine Anbieter und Medien-Plattformen nicht an. Wer auf weiterführende Informationen zu eigenen Recherchen angewiesen ist, kommt nicht daran vorbei, sich diesen Plattformen zu verschliessen. Selbst ein Verlinken auf eine gefundene “geringwertigere” Quelle macht dabei nicht viel Sinn, denn immer steht der Marktführer und Produzent im Hintergrund.

Der zweite Grund, die Gewohnheit, welchen Martin Weigert ins Feld führt, ist dagegen in meinen Augen oftmals nur aufgrund der bereits beschriebenen festgefahrenen Strukturen von Interesse und könnte nach meinem Dafürhalten am leichtesten geändert und verändert werden. Die Blogger wissen genau, was sie bekommen und sie vertrauen ihnen (Anm.: den Meldungen) bis zu einem gewissen Grad. Es ist selbstverständlich nicht möglich, hunderte andere Informationsquellen zu sondieren und zu durchforsten, aber gerade hier bieten sich mir als Informationssuchendem doch weitaus mehr Möglichkeiten, als es auf den Blick tatsächlich scheint. Denn gerade die Verschlagwortung publizierter Meldungen und die darin aufgeführten Fachbegriffe, Termini oder auch Namen haben mich selbst schon desöfteren auf die richtige und vor allem neue Spuren gebracht, welche ich nach Lektüre der Erstmeldung wahrscheinlich so außer Acht gelassen hätte. Allerdings darf ich dabei anführen, dass es dabei einer Liebe zur Recherche und einem antrainierten Sichten und letztendlich Verfolgen relevanter Details bedarf. Nicht immer führt dieses Spurensuchen zum gewünschten Ziel, oftmals bleibe auch ich in Sackgassen oder unüberschaubaren Winkeln stecken, aber mit jedem neu geschriebenen Artikel stellen sich neue Erfahrungen bezüglich der benutzten Techniken und Hilfsmittel ein.

Was mich jedoch im Laufe der Jahre mehr und mehr interessiert und in zunehmendem Maße sogar mit Besorgnis erfüllt, ist die Tatsache dieses Vertrauens in kolportierte Meldungen. Ich habe in einer mehrteiligen Artikelserie diese Macht des Mediums Internet, beginnend mit dem Streuen eines Gerüchtes (siehe Extraterrestrisches Leben entdeckt) über eine daran anschliessende siebenteilige Artikelserie (1.Teil: Das Internet - wahr, gelogen oder wahrgelogen? bis zum 7.Teil: Das Gerücht bei Vergil) sehr ausführlich und auch sehr kritisch beleuchtet und hinterfragt. Wer nur noch blind Twitter folgt, die ersten drei Suchergebnisse von Google verwendet und Facebook vertraut, wird meines Erachtens schnell an die Grenzen der Wahrheit stossen und diese Wahrhaftigkeit kommentarlos in sich aufnehmen, ja sogar weiterverbreiten und sich so zum Transporteur gewollter und vielfach lancierter Meldungen machen. Doch nicht nur das! Dieses bedingungslose Vertrauen und unsere blindwütige Gewohnheit, unser Gehorsam in die bindene Glaubhaftigkeit wiederholter, jedoch nicht hinterfragter und ungeprüfter Quellen, lässt uns in ein immer stärkeres Abhängigkeitsverhältnis zur Allmacht Internet gleiten. Wahr ist nicht, was dem Anspruch und Abgleich von Soll-Ist entspricht, sondern was sich möglichst erfolgreich reproduziert und wiederholt.   

Deutschsprachige Blogger sind bequeme Blogger. Martin Weigert umschreibt dies mit dem dritten Punkt Auffindbarkeit. Da ich jedoch der Meinung bin, dass das bereits beschriebene Kriterium Gewohnheit in enger Korrelation mit dieser mühelosen und auf dem silbernen Tablett präsentierten Auffindbarkeit von Informationen steht, die Zuhilfenahme oder besser gesagt Entscheidungshilfe der ersten Suchergebnisse von Google & Co als letztendliche Wahrheitsquelle sei hierbei als Indiz noch einmal explizit erwähnt, möchte ich diesen dritten Punkt nicht weiter ausführen. Allerdings gehe ich mit dem Lösungsansatz von Martin konform und praktiziere dies selbst auch schon seit längerem, nämlich Rivva als zusätzliche Inspiration zu nutzen.

Die deutschsprachige Bloggerlandschaft lebt, genau wie jede andere Blogosphäre dieser Welt, von gegenseitiger Verlinkung und Empfehlungen. Diese Gruppendynamik, denn BloggerInnen sollten entgegen meiner eingangs gewählten Formulierung “virtuelle KämpferInnen” in erster Linie eine altruistische Denkweise besitzen, zu erhöhen und dementsprechend auch effektiv für sich selbst zu nutzen, muss deshalb auch Sinn und Ziel jeder Bloggerin, jedes Bloggers sein. Die Zielsetzung, jede Woche einmal über einen wie auch immer gefundenen unbekannte Blog zu verlinken und diesem aus seiner Anonymität zu helfen, sehe ich deshalb auch als wegweisenden und einen von vielen zielführenden Ansatzpunkten.

Wie Martin schlussendlich richtig folgert, sind neue eingehende Links, Pingbacks und Retweets Ansporn für jede(n) NewcomerIn, aber auch altgediente BloggerInnen, seine freie Zeit, seine kostbare und wertvolle Freizeit, in die Pflege des eigenen Blogs zu stecken und über diesen Umweg dem eigenen Blog zu mehr Qualität zu verhelfen. So kann ich dementsprechend nur all meinen LeserInnen die Empfehlung aussprechen, sich aktiv am Informationsaustausch zu beteiligen. Wer also der Meinung ist, der eigene Blog bietet mir einen Mehrwert, der sei herzlich eingeladen, sich hier zu präsentieren und vorzustellen.

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