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4.9.2010

Paul Bögle, eine Biographie

Abgelegt unter: Zeit-Geschichten — Paul Boegle @ 23:34


Die Lebensbeichte einer Null-Komma-Null-Nummer

Liebes Publikum, ich habe mich endgültig dazu durchgerungen, Sie nun so richtig zu langweilen. Aber was bereits Boris Becker oder Paris Hilton mit ihren Autobiographien geschafft haben, nämlich über ein so genanntes Leben zu berichten, welches sich auf maximal 20 Seiten, im Falle von Paris Hilton auch auf 20 Zeilen komprimieren ließe, darf ich selbstverständlich nicht hinten an stehen. Also werde auch ich mich einreihen in jene unendlich lange Liste an Namenlosen und Bedeutungslosen, welche aus einer spontanen Laune heraus beschlossen haben, sich gegenüber der Öffentlichkeit zu exhibitionieren.

Die Lebenszeit verflüssigt sich.Wo beginne ich denn nun, Sie so richtig gründlich zu langweilen? Ich könnte Ihnen jetzt vom sensationellen Samenraub berichten und wie daraus ein Kind das Licht dieser Welt erblickte. Naja, gab es leider schon im Falle von B.B., sozusagen nicht von der Hand in den Mund, sondern mehr vom Mund in die Hand, quasi mundgeblasen und handgearbeitet. Natürlich könnte ich Ihnen auch über meine tagtäglichen Shoppingerlebnisse berichten, finden leider nicht statt, aber drüber schreiben kann selbst ich.

Wissen Sie was? Fangen wir doch ganz einfach ganz vorne oder besser gesagt ganz hinten an. Also dort, wo alles begann, sozusagen und überhaupt, praktisch der Ursprung meiner Zeitverflüssigung. Also, ich wurde geboren. Und für alle, welche es genau wissen möchten, dafür verantwortlich zeichnete meine Mutter. Ich habe zwar eine zivilrechtliche Klage gegen besagte Mutter, also meine Mutter eingereicht, Tatbestand der Unfreiheitsberaubung, aber das Verfahren befindet sich im Moment noch in der Schwebe. Also kann und darf ich bis zur endgültigen Klärung nichts sagen.

Nun ja, hätten wir doch tatsächlich dieses erste Kapitel meiner Biographie mit Bravour gemeistert. Kommen wir zu Kapitel Zwei. Ich würde es mit “Die Kindheit des Paul Bögle” titulieren, eine wirklich spannende und verheissungsvolle Überschrift, kurz und prägnant, ohne aber die atemraubende Spannung vorwegzunehmen. Nun ja, meine Kindheit also. Das war also jene Zeit, in welcher ich vom Kind zum Manne wurde, so zwischen fünf Jahren und dem Zeitpunkt, an dem ich diese Zeilen schreibe, also praktisch jetzt, unter Ausschluss meiner pubertären Zeitspanne, Sie verstehen. Natürlich könnte ich Ihnen auch über meine pubertären Leiden berichten, aber da sowieso jede und jeder, möglicherweise sogar der Papst selbst, in die ausgetretenen Fussstapfen von Onan traten, will ich Ihnen die Geschichte von Onan, dem Zerstäuber ersparen. Also zurück zum Anfang, nicht vollkommen zurück, denn dort wartet immer noch mein offener Prozess gegen Frau Mama, sondern dorthin, wo Onan noch nicht auftauchte und Mutter mich nicht mehr Stillen musste. Meine Kindheit!

Was war aber nun so Besonderes an meinem Kindsein, dass gerade ich darüber berichten muss? Eigentlich gar nichts, aber wie ich Ihnen bereits im ersten Satz prophezeite, bin ich angetreten, Sie so richtig zu langweilen. Ein Kind wie jedes andere, so war ich. Egoistisch und lärmend, lärmend und egoistisch. Und sonst? Was bitte wollen Sie sonst noch von mir hören? Dass ich Schwimmen gelernt habe, Radfahren und Fussballspielen keine unbekannten Grössen waren, der Name meines besten Freundes Rolf lautete. Kann sein, möglich wäre aber auch Lukas, Maximilian, Filzlaus oder Milchglas. Suchen Sie sich aus, welcher Ihnen am besten gefällt, mir soll jeder recht sein. Dass ich Katzen gequält habe, in Ermangelung asiatischer Elefanten, dass ich Feldhasen erschlagen habe, weil keine südamerikanischen Tapire zur Hand waren, dass ich Baumhäuser gebaut habe, weil ich nicht wusste, wo ich Strom für die Betonmischmaschine herbekommen sollte.

Wissen Sie was? Schließen wir also nun Kapitel Zwei galant ab und kommen wir zu Kapitel Drei, welches da lautet: ”Die erweiterte Kindheit des Paul Bögle”. Es handelt sich demzufolge um jenen Zeitraum, in welchem ich mich voller Grausen und ekelerfüllt von Katzen, Feldhasen und Baumhäusern abwandte und Onan mein bester Freund wurde, mich jeden Morgen hämisch aus dem Spiegel als pickelübersätes schwitzendes übelriechendes hormonausschütttendes Wesen anblickte und mir Tag für Tag die Hand reichte, mindestens acht Mal pro Tag, meistens auf der Toilette. Entschuldigung, wir wollten dieses Kapitel eigentlich auslassen, habe ich vollkommen vergessen, obwohl dies für Sie vielleicht von Interesse wäre. Aber wir hatten bereits festgestellt, dass wahrscheinlich sogar seine Exzellenz in Rom, damals sicherlich noch auf einer anderen Toilette als der vatikanischen, mit Onan auf Du und Du war, jener biblischen Gestalt die Hand und andere Gliedmaßen schüttelte, also will auch ich mich nicht weiter kompromittieren und breite den purpurnen Mantel des Schweigens über Kapitel Drei aus.

Was hätten wir gemeinsam bisher über mein Leben erfahren? Eine ganze Menge, wie ich meine. Sie wissen, dass ich geboren wurde, eine Kindheit hatte und vor allem mörderisch gut drauf war. Also machen wir weiter so! Denn wie ich sehe, fangen erst einige wenige zu gähnen an und dies bedeutet, ich langweile Sie noch nicht genug. Meine Geburt ist abgehakt, meine Kindheit abgeschlossen, meine Jugend verblüht. Ich wurde zum Mann. Zum jungen Mann, um genau zu sein. Also die Vorstufe zum Mann und die Vorvorstufe zu jenem Wesen, welches heutzutage hier sitzt und langweilige Dinge schreibt. Wobei ich schon immer langweilig war, dieses Langweilen anderer Menschen sozusagen einer meiner hervorragendsten Wesenszüge ist, mir im Blut liegt wie anderen der Alkoholspiegel. Ich mache Ihnen deshalb einen Vorschlag. Ich höre nun auf, über ein nicht vollständig gelebtes, nicht bis dato gestorbenes Leben zu berichten. Lesen Sie lieber meine Zeit-Geschichten. Mag sein, dass auch dort Autobiografisches zu finden ist, aber langweiliger als Boris Becker oder Paris Hilton sind sie sicherlich nicht.

So, was können wir gemeinsam aus diesem Artikel für die Zukunft mitnehmen? Eigentlich gar nichts. Ausser natürlich, dass ich wieder einmal meinem Ruf als unverschämter Zeit-Nehmer, skrupelloser Zeit-Dieb und verantwortungsloser Zeit-Stehler gerecht geworden bin. Hüten Sie sich vor mir. Und vor allem: Hüten Sie Ihre Zeit vor mir! Denn ehe Sie sich´s versehen, hat sich Ihre Zeit verflüssigt!

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